Meine Begeisterung für den in England praktizierten Fußball dürfte inzwischen ja hinlänglich bekannt sein, aber bis jetzt habe ich noch keine bewegten Bilder vom entscheidenden Länderspiel der „Three Lions“ gegen Kroatien gesehen, drüben beim Direkten Freistoß.
Erstens: Unglaublich, diese Unkonzentriertheiten beim englischen Tormann! Das erste Tor darf auf keinen, keinen, keinen Fall fallen und das dritte Tor der Kroaten hält ein guter Mann auch. Ich wage die Wette, dass da alle Bundesligakeeper alle Bundesligakeeper außer Piplica und seit heute auch Tremmel besser ausgesehen hätten. Ach ja, und das zweite Tor der Kroaten ist auch verhinderbar, ein aufmerksamer, ein mitspielender Torhüter hat diesen Ball sicher in seinen Fängen.
Zweitens: Kommentatorenkritik. Die zwei Briten kommen bei mir wesentlich besser weg als anno dunnemals Thomas Wark. Dieses Konzept, zwei Leute das Spiel kommentieren zu lassen, finde ich sehr gut (gab’s ja auch hierzulande eine Zeit lang bei Champions-League-Spielen, als Oliver Bierhof für Sat1 irgendwo saß und alle Jubeljahre mal zugeschaltet wurde. Hat man glaube ich eingestellt, oder?). Das sorgt dafür, dass sich ein Kommentar nicht in aller Ausführlichkeit einer Szene widmet, die er unter Umständen falsch interpretiert. Außerdem noch aufgefallen: Eine leicht andere Kameraführung als hierzulande. Diese Perspektive beim Elfmeter für England (man sieht das komplette Tor von hinten in Zeitlupe, als der Ball einschlägt), habe ich so noch nie gesehen. Auch die Zeitlupen sind alle passend ausgewählt, sorgen entweder für Stimmung (Crouchs Torjubel) oder sind so sinnvoll gewählt, dass man alles erkennt. Kann Glück sein, aber wenn man am heimischen Gerät Fußball schaut, dann erlebt man gerne mal die ein oder andere Zeitlupe, auf der man wenig bis nichts erkennt und zu der dann noch eine zweite Zeitlupe hinzugeschaltet wird. Dann lieber so: Eine Zeitlupe, auf der man alles sieht, und diese ausführlich besprechen. Aber auch den englischen Kommentator finde ich nicht perfekt. Natürlich hat man als Ausländer garantiert Probleme, dem netten Herrn 90min zuzuhören und alles zu verstehen, aber ich finde auch die Stimme etwas unangenehm überdreht. Also diese 4min-Dosis der Stimme hat mir vollkommen gereicht.
Drittens: Mal genau hinhören, wenn das zweite Tor für Kroatien fällt: Der Kommentator spricht von „two nill“. In genau dem Moment dankte ich meinem ehemaligen Englischlehrer auf Knien… Der war für sein Interesse am Fußball (Standardfrage wenn er nach einem Spieltag in die Klasse kam: „Hadd jemand des Spiel gsehn?“, er meinte natürlich das von Nürnberg), besonders am Englischen. Also hat er irgendwann mal eine Sonderstunde „Fußballvokabeln“ eingeschoben, wo dann so Sachen wie Muskelfaserriss mal auf Englisch geklärt wurden… Unter anderem hat er auch eine kurze Lektion eingearbeitet, die die verschiedenen „Namen“ der Null (nämlich null, zero und nill) besprach. Keiner hätte gedacht, dass das einem nochmal nützlich sein könnte, ebenso wie das ganze Box-Vokabular (er war nebenbei auch noch großer Faustkampf-Fan, wenn am Wochenende Boxen im Fernsehen lief, ergänzte er die Frage nach dem Glubb um eine nach dem Kampf). Aber vorhin, beim Schauen des Spielausschnitts, hab ich nur noch eins gedacht: „Danke, Rudi!“ Hat sich deine Fußballbegeisterung in Englisch also doch noch gelohnt…
Viertens: Drittens war wohl für geschätzte 99,3% der Leser völlig uninteressa nt. Musste aber trotzdem raus.
-Max