Copa-Blog

Beiträge vom Dezember 2007

Dukes Hommage an Copa

31. Dezember 07 · 3 Kommentare

Gestern hat Duke einen Kommentar zu Nigga Kanes Hommage an Copa hinterlassen – und dort würden ihn wahrscheinlich leider die wenigsten lesen, denn der Beitrag ist ja jetzt schon etwas älter. Deswegen habe ich mir mal erlaubt, Dukes Kommentar herauszukopieren und hier noch einmal zu veröffentlichen. Er funktioniert auch ohne den eigentlichen Artikel und könnte ebenso als Beitrag alleine stehen.

So, jetzt will ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen, hier Dukes Kommentar:

Die Spannung ist zum Durschneiden. Er kommt sich vor wie bei einer Bombenentschärfung. Seine Hände kribbeln, seine Beine wippen unaufhörlich. Er ist weder ansprechbar noch nimmt er wahr, was um ihn herum geht. Zum Glück ist es Freitagnachmittag. Den ganzen Tag – nein die ganze Woche – kommen ständig Leute ins Büro, Anrufe und eMails im Minutentakt. Ab Freitagnachmittag nimmt das tägliche Arbeitschaos langsam ab. Er tippt auf dem Web-Diensthandy rum. Vor Aufregung trifft er kaum die richtigen Tasten und schon hat er eine falsche Taste gedrückt. Mist, gleich nochmal. So jetzt hat er die richtige Tastenfolge eigegeben. Jetzt natürlich wieder das Warten. Ewig lange kommt es ihm vor. Er wagt kaum vom kleinen Handydisplay wegzuschauen. Erheischt aus dem Augenwinkel einen kurzen Blick auf die Uhr. Schon Viertel nach vier. Jetzt müsste es doch soweit sein! Ewig lange lädt das verdammte Handy die Daten runter, aber auf den Arbeitsplatzrechnern waren halt viele Seiten gesperrt. Hoffentlich kommt jetzt was. Jeden Freiag das gleiche Spiel.

Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Eine unverfängliche Mail hatte es gegeben. „Liebe Freunde, in zwei Wochen startet ein neues Fussball-PbeM. Bitte meldet Euch an unter http://www.CopaMudial.de“ Ohne lange über die Konsequenzen nachzudenken, hatte er sich in einem kurzen Anfall des Leichtinns angemeldet. Sogar sein bevorzugtes Team hatte er bekommen. Das war das Positive. Die Konsequenzen wurden ihn erst nach un nach klar.

Der erster Spieltag verlief wie viele andere danach. Erst kam die lange Zeit des Überlegens. Was sollte er setzten? Was würden seine Gegner setzen? Wollte ihm einer eine Heimniederlage verpassen? Ja, bestimmt! Na gut, dann mal flugs die sechs Tore gesetzt! Oder? Na ja, allzu oft hatte er am Ende der Saison erlebt, dass ihm ein paar Törchen gefehlt hatten. Mal waren es 5, mal zehn, mal aber auch nur 2 oder gar ein halben Törchen. Also, dann vielleicht doch nicht ganz so großzügig mit dem TK umgehen. Vielleicht doch nur ein Tore setzen? Ein 1:0 Sieg ist natürlich das ideale Ergebnis. Aber andererseits. 1:2 Heimniederlage ist so was von ärgerlich. Jede Heimniederlage kostet mindestens einen Platz in der Endtabelle. Also vielleicht doch die 3? Aber viele setzten auch eine 4 auswärts. Dann vielleicht doch die 5? Hmm, 5:4 wäre gut aber andererseits ein 5:0 Sieg wäre ganz schön viel TK-Verschwendung. Ein 5:6 hingegen die blamabelste Heimniederlage, die es gibt. Also doch eine 6? Hmmm, und wenn der nun die 0 setzt? Also, doch ne 1? Shit, back to square one.
Jetzt hatte er eine Idee: Er brauchte nur alle möglichen historischen Ergebnisse seines Gegners zu studieren, dann wüßte er, was dieser setzen würde. Also, dann nochmal die Ergebnisse studieren. Nach langem Studieren wirds dann so langsam klar. Aha, das will der wohl setzen. Gut, den einen hätte ich dann schon mal. Jetzt musste er nur noch die anderen Spiele entsprechend planen. Einige Zeit später dann die siegesgewisse Zugabgabe. Perfekt! Das wird wieder ein schöner Freitag. Drei Siege neun Punkte, katsching! Ding, ding, ding, ding ding! Schön. Jetzt konnte er beruhigt zu Bett gehen.

In den folgenden Tagen kommt ihm noch das ein oder andere mal sein Spielzug in den Sinn. War es richtig, was er gesetzt hat? Ein paar kleine Zweifel mal hier und da. Nichts, was man nicht schnell beiseite schieben kann. Schließlich hatte er lange analysiert. Ein Fehler war kaum möglich.

So, auf dem Handy tut sich gerade was. Mist, noch immer keine Auswertung. Das ist ja zum verrückt werden. Er war sicher gewesen, dass es jetzt soweit ist. Na, dann erstmal wieder paar Minuten Arbeit weitermachen und dann die nächste Anfrage starten. Auch diese, ebenso wie die weiteren, im Minutentakt abgeschickten Anfragen führen immer wieder zur gleichen Anzeige: „Es läuft gereade eine Auswertung ..Bitte habe einen wenig Geduld“ Wie oft hatte er diese Seite gesehen? Um die Wartezeit nochmal zu überbrücken, geht er noch mal zum Werksshop holt sich noch eine Kleinigkeit zu Essen.

Nach einem weiteren vergeblichen Aufruf der Seiten liegen die Nerven blank. Er folgt seinem Tunnelblick. Nimmt von seiner Umgebung fast nichts mehr wahr. Er murmelt zu sich selbst. Kalter Schweiß bedeckt seine Stirn. So oder ähnlich ging das nun jede Woche seit acht Jahren. So hatte er sich das bei der Anmeldung nicht vorgestellt. Es war keine Suchtwarnung gegenen worden. Eigentlich sollte alles Spass sein. Mehrfach hatte er überlegt, das Handtuch zu schmeissen, um seine Nerven zu schonen. Er konnte es sich schon ausmalen. Wenn er verliert, dann ist das ganze Wochenende schon versaut. Er würde bis zur nächsten Woche keinen Blick mehr auf die Seiten werfen. Ganz anders, wenn es gut läuft. Dann würde er das ganze Wochenende immer wieder die Seiten aufrufen. Sich an der Tabelle satt sehen. Ja, das waren die beiden Möglichkeiten. Was würde es wohl dieses Mal geben?

Inzwischen ist es schon 17:30. Um diese Zeit gabs in den letzten Wochen immer die Resultate. Noch nervöser als vorher tippt er die richtige Reihenfolge in die Handytastatur. Aha, jetzt tut sich was! Die Seiten bauen sich auf. Erst das linienförmige Hinterggundmuster. Nun würde es noch ca. 30 Sekunden dauern, bis die Ergebnisse kamen. Von seiner Zuversicht, alles richtig getippt zu haben, ist nicht mehr viel übrig. Er hofft, zumindest seine Heimspiele gewonnen zu haben. Das Handy – wie immer langsam – baut zunächst einmal die linke obere Seitenelemente auf. Danach – er kannte es zu gut – kommt die linke Seitenleiste. Natürlich weiss er, dass die Ergebnisse in der mittleren Leiste stehen. Er scrollt schon mal die sichtbare Bildschirmfläche auf die Stelle, wo gleich die Tabelle erscheinen wird. Und da ist es, Platz für Platz wird die Tabelle aufgebaut – es kommt him vor wie Stunden. Langsam von oben nach unten. Natürlich weiss er, wieviele Punkte er im Idealfall hat. Als nächstes müsste sein Team kommen – wenn alles gut gelaufen ist..

Kategorien: Diskussionsbedarf?

New England Revolution

30. Dezember 07 · 1 Kommentar

Meine vollkommen ehrliche Bewunderung für das Wappen von New England Revolution. Sehr schick, gefällt mir gut – und den Ball der europäischen Champions League haben sie auch elegant untergebracht…

-Max

Kategorien: Wappen

Dallas

29. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Ich bin ja so ein kleiner Freund dieser leicht amerikanisierten Wappen. Irgendwann wird’s mir zu heftig, aber diese leichte amerikanische Komponente gefällt mir meistens sehr gut. So auch beim FC Dallas, die in grauer Vorzeit einmal Dallas Burn hießen und übrigens im Pizza Hut Park spielen. Aber das Wappen ist doch nett!!

-Max

Kategorien: Wappen

Leicht grimmiger Hund

28. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Das zeigt das Wappen der Syracuse Salty Dogs. Die salzigen Hunde gibt es allerdings inzwischen nicht mehr, das Team wurde aufgelöst und der Investor verlor auch an der Nachfolgemannschaft das Interesse… Das vorläufige Ende des Profifußballs in Syracuse, nur Copa hält die Fahnen noch hoch.

-Max

Kategorien: Wappen

Copa Mundial Mitsustar

27. Dezember 07 · 3 Kommentare

Neulich hatten wir ja schon mal das Paint-Wappen von Caracas hier präsentiert, jetzt ist ein anderes offensichtliches Selbstbau-Wappen dran. Der vietnamesische Erstligist mit dem einprägsamsten aller Namen, Mitsustar Haier Hai Phong. Und das Tolle ist: Wäre der „Copa Mundial“-Schriftzug nicht da, könnte man das Wappen fast für ein echtes halten. Finde ich echt faszinierend!

-Max

Kategorien: Wappen

Schönen Gruß nach Caracas!

26. Dezember 07 · 1 Kommentar

Beim Caracas FC aus Venezuela waren beim Wappen die großen Paint-Künstler am Werk. Und ich meine das ohne Ironie, denn mir würde alleine die Geduld fehlen, so was relativ aufwendiges in Paint zu frickeln…

-Max

Kategorien: Wappen

Rhinos

25. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Bei den Wappen gibt es heute einmal einen Blick über den großen Teich, nämlich in die zweite US-amerikanische Liga. Dort kicken die Rochester Raging Rhinos und sind nicht nur wunderschön alliterierend, sondern in ihrem Wappen auch durchaus selbstironisch. Das mit einer eher grobschlächtigen Ballbehandlung gesegnete Nashorn als subtiler Hinweis auf die „Rumpelfüßler aus Malta“? Erlebt Olli Bierhof dort demnächst seinen zweiten dritten Frühling?

-Max

Kategorien: Wappen

Frohe Weihnachten…

24. Dezember 07 · 1 Kommentar

euch allen und nach Möglichkeit auch ein paar besinnliche Tage.

-Max

Kategorien: 08/15

Tea Time! #3

23. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Dear readers,
Bislang habe ich stets als Außenstehender geschrieben, hatte keinen Trainerposten in England. Wenn ich die Kolumne schon so beginne, dann ist klar: Es hat sich etwas geändert.
Inzwischen, so kann ich vermelden, bin ich stolzer Trainer von Stoke City, Zweitligist aus Stoke-on-Trent, der Stadt, aus der Robbie Williams und der Kapitän der Titanic stammen. Die Potters, wie der Verein auch genannt wird, haben eine eher kurze Copa-Historie, auf die sie zurückblicken können. Der Klub entstand mit der Eröffnung der zweiten englischen Liga, die beste Platzierung war ein achter Platz in der First Championship.
Doch ich bin – und darum soll es in der heutigen Kolumne gehen – nicht der einzige Neue auf den englischen Trainerbänken. Gleich sechs weitere Vereine haben seit dem Saisonbeginn ihr Personal ausgewechselt und zwei weitere Mannschaften sind noch eifrig auf der Suche nach einem neuen Chef-Strategen am Spielfeldrand.
Besonders zu erwähnen sind natürlich die beiden Erstligisten, die einen Trainerwechsel vollzogen. Beide Transfers wurden übrigens von langer Hand arrangiert und waren im Vorfeld abgesprochen, es gab also keine Demission aufgrund von Disziplinproblemen oder chronischer Erfolglosigkeit.
Bei Leicester City ist seit dem Beginn der Saison Emanuel Cannavaro unter Vertrag, ein Interview mit ihm war bereits in der letzten Ausgabe der Kolumne zu lesen. Dieser ist seit bereits zehn Spielzeiten international als Trainer tätig, wobei eindeutig Italien im Fokus seiner Laufbahn stand. Nach einem Jahr beim dänischen Zweitligisten Randers FC wurde er Cheftrainer von Juventus Turin in Italiens Serie B. Nach drei Jahren gelang ihm der Aufstieg in die erste Liga, die alte Dame Juve schien wieder zurück auf Erfolgskurs und erreichte trotz hochmotivierter Gegner und überforderter Defensive in den folgenden vier Saisons stets einstellige Tabellenplätze. Den Höhepunkt fand dies im Vizemeistertitel in Emanuels achter Saison auf den Trainerbänken dieser Welt. Wie bereits in der Kolumne erwähnt war Turin punktgleich mit dem Meister US Lecce, hatte aber die schlechtere Tordifferenz (inwiefern dies aber an den zahlreichen Gegentoren festzumachen ist, stellt sich als fraglich dar, denn in der genannten Saison hatten immerhin sechs Klubs noch mehr Gegentreffer zu verzeichnen als Juventus). Danach ging es abwärts für den Traditionsverein, in den beiden folgenden Spielzeiten versank man im Mittelmaß und konnte keinesfalls an die Erfolge früherer Tage anknüpfen. Dies war wohl einer der Ausschlag gebenden Gründe für Emanuel Cannavaro, sich in nördlichere Gefilde aufzumachen und bei Leicester City anzuheuern. Dort sieht es zuletzt ganz passabel aus, angepeilt ist ein Platz in der ersten Tabellenhälfte.
Auch der FC Liverpool, einer der großen englischen Klubs, verpflichtete in der Sommerpause einen neuen Coach. Zidane verließ den Verein aus privaten Gründen, sein Nachfolger wurde der zuletzt in Spanien bei Valencia tätige Kily Gonzales. Auch dieser kann sich wie Emanuel Cannavaro auf einen nicht zu unterschätzenden Erfahrungsschatz stützen, den er sich bei Engagements für den Ionikos FC (in der Debütsaison in die erste griechische Liga aufgestiegen und dort auf Anhieb behauptet) und Ljungskile SK (drei Mal den Aufstieg in Schwedens erste Liga haarscharf verpasst). Präsidium und Trainer haben sich darauf geeinigt, am Saisonende unter den ersten fünf Mannschaften vertreten wollen zu sein. Im Moment sieht es so aus, als könne Liverpool durchaus dieses Ziel erreichen, in der Liga befindet sich der Verein aktuell auf dem dritten Tabellenplatz.
Wesentlich kürzer abhandelbar sind die Verpflichtungen in der First Championship, denn hier sitzen nun einige Neulinge zum ersten Mal in ihrer Karriere als Verantwortlicher auf der Trainerbank eines Profi-Vereins. JMatzen (Birmingham City) und DeNo (Bradford City) sind diese Kandidaten, die sich nun im Haifischbecken bewähren wollen, nachdem sie ins kalte Wasser geworfen wurden.
Zumindest über ein wenig Erfahrung verfügt Memphis, der neue Trainer des FC Southampton, der immerhin schon auf zwei Spielzeiten in der zweiten Schweizer Liga mit dem AC Lugano zurückblicken kann. Am Ende standen jedes Mal ordentliche Resultate, mit dem Aufstieg hatte der Klub am Ende jedoch meistens wenig zu tun – aber das kann ja noch kommen.
Vollkommen anders sieht es da bei El Presidente aus, dem neuen Cheftrainer von Sheffield Wednesday. Der dreimalige Meister und UEFA-Pokal-Finalist ist seit nunmehr zwanzig Jahren (mit einer kurzen Unterbrechung) im internationalen Fußballgeschäft tätig. In der damals noch existierenden Balkanliga gelangen ihm mit Slovan Bratislava zwei Meistertitel und der bereits erwähnte Einzug ins Endspiel des UEFA Cups. Nach der Auflösung in einzelne nationale Liga wechselte El Presidente in die zweite Bundesliga, wo er mit dem 1. FC Nürnberg respektable Ergebnisse einfuhr. Doch dort hielt es ihn nicht lange, bereits nach zwei absolvierten Spielzeiten zog es ihn wieder gen Osten, diesmal war die tschechische Gambrinus Liga das Ziel. Nach einem kurzen Intermezzo beim FK Jablonec 97 nahm ihn Banik Ostrava unter Vertrag, wo er auch auf Anhieb Meister wurde. Imposant auch der Rest der Tschechien-Bilanz: El Presidente beendete keine Saison schlechter als auf dem vierten Platz.Im Moment noch auf der Suche nach einem geeigneten Cheftrainer sind Reading FC und Rotherham United.

An dieser Stelle möchte ich allen Neuverpflichtungen viel Erfolg, aber vor allem Spaß in England wünschen.
Best regards and merry Christmas!

-Max

Kategorien: Tea Time!

Presse: Sommer in England

22. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Douglas, Isle of Man. 26000 Einwohner zählt diese Stadt an der Ostseite der weltbekannten Insel in der Irischen See. Seit einigen Wochen hat hier auch Max Alletsee, ehemaliger Trainer des griechischen Rekordmeisters AO Veria, sein Quartier bezogen.

Seinen bisherigen Trainerstab ließ er in Griechenland zurück, sie sollen bei Veria Powerkrauts bulgarisches Team unterstützen. „Ich habe mich dazu entschieden, mit einem neuen Stab an meiner nächsten Arbeitsstelle zu beginnen“, sagt er. „Mein Umfeld bestand aus präzisen Kennern der griechischen Liga, dort liegt ihr Spezialgebiet. Hier im Norden wird anders gespielt, da muss man auch das Training anders gestalten. Deswegen diese bewusste Entscheidung gegen meinen alten Stab.“

Er sitzt in einem Café am Hafen von Douglas. Draußen bläst der Wind, die See ist rau; hier innen dampfen große Tassen, einige Einheimische spielen Backgammon, zwei Rentner beugen sich über ein Schachbrett. Seit einer Woche ist auch Alletsee hier ein regelmäßig gesehener Gast. Für die Sommerpause hat er sich vorgenommen, seine Trainingspläne zu überarbeiten, sie an die gröbere Spielweise in Großbritannien anzupassen. „Man braucht mehr Muskulatur für das britische Spiel“, erklärt er, „man muss stabiler gebaut sein. In Griechenland sind die Verteidiger große Brocken und die Stürmer eher klein und schmächtig. Hier ist die Abwehr beweglicher, dafür aber das Mittelfeld und der Sturm stärker gebaut. Das muss man berücksichtigen.“ Er wolle aber nicht bei Null anfangen, schiebt er sofort hinterher. Bei Veria habe er sich einige Gedanken zum One-Touch-Fußball gemacht – jeder Spieler nur wenige Ballberührungen, ein ständiges Passen, Verschieben. „Wenn das ordentlich klappt, kommt eine nicht perfekt funktionierende Abwehr ungeheuer ins Schwimmen. Und welche Defensive ist schon perfekt?“ Er grinst ein bisschen in sich hinein und in diesem Moment ist man sich absolut sicher, dass vor seinem inneren Auge gerade ein Film läuft, ein grandios vorgetragener Spielzug, der – natürlich! – in einem Tor gipfelt. Er greift nach seinem Kaffee und genießt einen Schluck, stellt die Tasse wieder ab und streicht mit den Fingern langsam über den Rand der Tasse. Für einen Moment ist er weg, nicht mehr Teil dieser Welt. Das Backgammon, die Schachspieler, der Wind draußen, die See, die an den Kaimauern hochschlägt – sie finden für einen kurzen Augenblick nicht statt.

Doch dann setzt er sich auf, legt die Hände aneinander und die Augen werden wieder scharf und klar. Er merkt, dass wir ihn beobachtet haben. Nur weiter, nicht darüber nachdenken… Er setzt wieder an: „Ich habe hier auf der Isle of Man natürlich auch Fußball angeschaut, das örtliche Spitzenspiel. Laxey gegen Saint Georges. Natürlich war das kein hochklassiges Spiel, aber das ist einem ja von vornherein bewusst. Dafür spürt man einfach, was den britischen Fußball so auszeichnet, diese Konzentration auf das Körperliche.“ Rugby habe er sich auch angesehen, den Douglas Rugby Club. „Ich wollte so viel in mich aufnehmen wie möglich. Jahrelang konnte ich den griechischen Fußball studieren und habe dort auch einige Ideen entwickelt, wie ein Spiel funktioniert. Hier, in dieser neuen Umgebung, muss man natürlich einen Teil davon vergessen können, weil die Mentalität einfach anders ist. Ich beobachte jedes Spiel sehr genau, um danach zu überprüfen: Was ist in Griechenland ähnlich, was ist in Griechenland anders? Und was heißt das für meine Vorstellungen? Mit dieser Fragestellung ziehe ich unheimlich viel Inhalt aus jeder Partie, und sei sie noch so unbedeutend. Die Essenz des Fußballs erlebt man in den unwichtigen Spielen, in denen unter Freunden. Man schaue sich ein Spiel in einem englischen Park und eines am brasilianischen Strand an – und sofort kann man beide Länder charakterisieren.“ Er hat seine Fassung wiedergefunden, redet wieder flüssig vom Fußball und seiner Philosophie. Das kleine Fenster ins Innenleben ist wieder verschlossen. „Aber natürlich versuche ich auch, mir ein paar niveauvollere Spiele anzusehen. Die Isle of Man liegt ja ziemlich zentral hier, mitten in der Irischen See. Man kommt mit der Fähre leicht nach Wales, nach Irland, an die englische und an die schottische Westküste. Das nutze ich aus, beobachte Spiele, beobachte das Training von etwas größeren Vereinen. Immer dabei: Mein Notizbuch.“ Es liegt auf dem Tisch vor ihm. Ein kleines Büchlein, ein Moleskine, wasserabweisend und robust. Auf der Vorderseite ein sich an den Rändern etwas lösender Aufkleber, die englischen „Three Lions“. Was wohl die Seiten füllen wird? Notizen zu Vereinen, zu Spielen, zu Spielern? Taktiken, Varianten, spontane Ideen, hineingekritzelt in ein schnell skizziertes Spielfeld? Was wäre es wohl für ein Verlust, wenn dieses Büchlein verschwindet, verbrennt, im Meer versinkt?

„Jede Mannschaft besteht aus einer Mischung von eher dynamischen und eher ruhigen Spielern“, setzt er wieder an, legt die Hand auf das Notizbuch und zieht es zu sich heran, neben die große Kaffeetasse. „Und diese Verteilung muss ausgewogen sein. Ein dynamischer Spieler ist impulsiv, er beschäftigt den Gegner oder er beschäftigt sich mit dem Gegner. Er spielt instinktiv, ohne viele Gedanken daran zu verschwenden. Fußball ist für ihn Bauchgefühl, Intuition. Er denkt nicht über die eigenen Laufwege nach, er geht sie einfach. Das ist wichtig, das sorgt dafür, dass das Spiel schnell wird und schnell bleibt. Aber sich nur darauf zu verlassen, klappt nicht, es braucht auch einen Zusatz an ruhigeren Spielern. Sie haben die Übersicht, das Auge, den Verstand, den Kopf. Sie sehen, wohin das Spiel laufen wird, sie erkennen Situationen und reagieren darauf. Jede Situation ist durchdacht, sie ist Ergebnis eines Prozesses, beim eigenen Angriff Ausdruck von Kreativität. Aber wenn man nur ruhige Spieler hat, dann wird man vom Gegner überrannt, bevor man drüber nachdenken kann. Eine Mischung ist das Ziel.“ Wieder gönnt er sich einen Schluck Kaffee, wieder kreisen die Finger am Rand der Tasse. „In jeder Mannschaft, die nicht gut zusammenspielt, fehlt dieses Gleichgewicht. Ich bin mir inzwischen sicher, so viele Spieler selbst beobachtet zu haben, dass ich bei praktisch jedem Team durch wenige Transfers wieder ein geordnetes Zusammenspiel erzeugen kann. Und das gilt für jeden Mannschaftsteil.“ Er blickt einen kurz und entschlossen in die Augen, dann schließt er seine, öffnet sie wieder, konzentriert sich auf das Meer draußen.

„Wissen Sie“, setzt er wieder an und räuspert sich kurz, „das hört sich jetzt so an, als ob ich hier jeden Tag sitzen und meinen Kaffee trinken würde und ab und zu mal ein Spiel beobachten. Oder eben öfters.“ Er pausiert kurz. „In Wahrheit sieht mein Tag so aus, dass ich mich nachmittags mit dem Fußball beschäftige, einige Stunden lang, konzentriert. Und vormittags, wenn ich nicht gerade aufs Festland unterwegs bin, um mir dort ein Spiel anzuschauen, dann drehe ich hier auf der Insel meine Runden, mache Waldläufe. In Veria habe ich das alles meinen Assistenztrainern überlassen und habe nur zugesehen; aber ich habe mir vorgenommen, hier so viel wie möglich selbst zu machen. Und nach all den Jahren zusehen muss man sich erst einmal wieder die Kondition erarbeiten, erlaufen. Ich ziehe mir die Laufschuhe an, schnappe den iPod und laufe los, gleichmäßiges Tempo, jeden Tag etwas länger. Hügel nehme ich in verschärftem Tempo, das muss etwas weh tun. Und so langsam merke ich, wie die Ausdauer zurückkehrt, wie ich so langsam wieder mit Fußballern mithalten kann. Das ist ein großartiges Gefühl, mit den „Arctic Monkeys“ auf den Ohren zu laufen und zu merken, dass es jeden Tag besser wird, dass man jeden Tag seinem Ziel ein kleines Stückchen näher kommt.“ Auf einmal lächelt er zufrieden. Die Arctic Monkeys, die arktischen Affen. Schon fast ein Sinnbild für ihn und seine Auffassung vom Fußball: Die Affen aus dem sonnigen Süden, die sich jetzt auf einmal mit kaltem, kühlen, rundum britischen Mistwetter herumschlagen müssen, das auf diese Affen ein wenig arktisch wirkt. Und dazu dieses zufriedene Lächeln…

-Max

Kategorien: Presselandschaft

Unlesbar!

21. Dezember 07 · 1 Kommentar

Ein bisschen viel Tüdeltüdel im Wappen hat der KSC Lokeren.

EDIT: Argh! Ich stelle grad fest, dass das Wappen geändert wurde. Das, das ich meinte, kann man zum Beispiel hier sehen. Man stelle sich das in halber Größe vor…

-Max

Kategorien: Wappen

Newcastle

20. Dezember 07 · 4 Kommentare

Sind das im Wappen von Newcastle United eigentlich etwas komisch aussehende Seepferdchen? Oder sind das normale Pferde, denen ein Hinterbein fehlt?

-Max

Kategorien: Wappen

Delfin, abstrakter?

19. Dezember 07 · 1 Kommentar

Hab ich einen Sehfehler oder sieht man bei Pescara Calcio einen sehr abstrakten Delfin?

-Max

Kategorien: Wappen

Tea Time! #2

18. Dezember 07 · Kommentar schreiben

Dear readers,

Ich habe mir für diese Woche gedacht, ein wenig Selbstreferenzielles zu schreiben, konkreter gesagt: etwas über die Namensfindung dieser Kolumne. Chris war mit der Idee einer England-Kolumne an mich herangetreten und wir begannen, uns erste Gedanken über das Konzept zu machen.

Dass Chris ein Auge und auch ein Händchen für grafische Gestaltung hat, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein, deswegen habe ich es auch vorgezogen, zu diesem Thema gar nichts zu sagen und stattdessen auf sein Urteil zu vertrauen.

Ein in meinen Augen mindestens ebenso wichtiger Punkt ist, so trivial er auch klingen mag, die Namensfindung. Ein guter Name ist prägnant, einprägsam, mit der Liga assoziierbar. Bei der Down Under Sports“ denkt man sofort an Australien ein Beweis für einen griffigen Namen. Mich hat dieses Thema schon seit längerem sehr fasziniert und habe für mich festgestellt, dass es am besten läuft, wenn das Nachdenken über mögliche Namen in Form eines stream of consciousness“ erfolgt. Ein freies Assoziieren, ein Ineinanderfließen, ein Übergehen… Danach muss natürlich eine Auswahl erfolgen, eine Reduktion auf mehrere Vorschläge. Bei dem Namen der England-Kolumne lautete diese:

  • Three Lions Weekly Die drei Löwen als Sinnbild des englischen Fußballs. Ein ernsthafter, seriöser Titel, den ich wirklich sehr mochte.
  • Fish & Chips Englisches Essen war ein Thema, über das ich für den Namen viel reflektiert habe. Dieser Vorschlag überlebte als einziger die Reduktion, vor allem aufgrund des Ampersands, des kaufmännischen Unds. Ich mag dieses Zeichen auf eine nicht nachvollziehbare Weise und sah vor allem die Möglichkeit, grafisch damit viel unternehmen zu können.
  • The Working Class Hero England hier als Ausgangsort der industriellen Revolution und Entwicklungsstätte sozialistischer Ideen. Außerdem wird die Betonung des Fußballs als Sport der Arbeiterklasse betont, während die höheren Stände eher zum Rudern oder zum Cricket gingen.
  • Tea Time! Der Tee als das englische Getränk kombiniert mit der englischen Eigenart des Teekonsums. Ein Name, ein Ausruf, der bei mir irgendwie immer zu einem kleinen Schmunzeln führt.
  • Football at Home Hier wird England als Mutterland des Fußballs betont. Insgesamt aber einer der weniger guten Titel, da zu wenig konkreter Bezug zu England.
  • The Bard’s Press Einer von zwei Versuchen, englische Literatur in den Namen einzubauen. William Shakespeare ist in England auch als The Bard bekannt, daher der Name. Etwas zu kryptisch…
  • Gentlemen’s Club Hier steht die englische Aristokratie und Upper Class im Vordergrund. Die Betonung des Edlen sorgt für eine gewisse Feinheit, Auserwähltheit.
  • Much Ado About Nothing Der zweite Versuch, englische Literatur im Titel zu platzieren. Der Titel einer Verwechslungskomödie Shakespeares, im Deutschen als Viel Lärm um Nichts“ bekannt; daher natürlich auch ein ironischer Anklang auf den Inhalt der Kolumne und des Zeitungswesens im Allgemeinen.
  • The Premier League Today Zum Abschluss noch ein eher seriöser Titel, der einerseits die Aktualität, andererseits die Erstliga-Zugehörigkeit in den Vordergrund stellt. Insgesamt etwas starr, eher für eine real existierende Zeitung mit absolutem Anspruch auf die Berichterstattung geeignet.
  • Die endgültige Entscheidung ist bekannt: Mein kleines Absätzchen hört auf den Namen Tea Time!“, während die Gesamtkolumne unter dem Namen Gentlemen’s Club“ fährt.

    Best regards!

-Max

Kategorien: Tea Time!

Fußball, Säbel, Shrimps und das Meer

17. Dezember 07 · 1 Kommentar

Kategorien: Wappen