Der GKK

Ich hatte ja bereits vor einigen Tagen angekündigt, einen Artikel zum GKK, dem Griechischen Kolumnisten-Kreis, schreiben zu wollen. In der letzten Zeit hatte ich erneut begonnen, mich vermehrt für Kolumnen zu interessieren und wollte diese auch hier im Copa-Blog besprechen. Dabei bot es sich an, auch auf den GKK Bezug zu nehmen, schließlich hatte ich diesen ja mitgestaltet und dafür auch zwei Copa-Awards als beste Kolumne gewonnen (natürlich im Doppelpack mit PJ Robert).

Ich hatte mich für diesen Artikel ein wenig in die Archive des GKK hineingewühlt. PJ und ich hatten unsere Kolumnen auch lokal auf der Festplatte gespeichert und so entstand im Laufe der Zeit ein ziemlich vollständiges Archiv unserer Veröffentlichungen. Ob es vollständig ist, kann ich nicht sagen – mit der Zeit verliert man schier den Überblick, ob die eine oder andere Kolumne fehlt.

Bei den Recherchen bin ich natürlich auch auf die allererste GKK-Kolumne gestoßen, die ich selbst geschrieben hatte. Hier wird die Gründung des GKK verdeutlicht: Gerrik Darben war zuvor Kolumnist in Griechenland gewesen, hatte sein Amt jedoch aus Zeitgründen aufgegeben. Es bestand der einstimmige Wunsch nach einem Nachfolgeprojekt, doch niemand sah sich in der Lage, dies alleine auszufüllen. Also suchte man im Forum nach einer Lösung und es kristallisierte sich relativ bald heraus, dass ein Kolumnistenkreis (ganz nach dem Vorbild des Kickers) die wohl beste Lösung wäre. Nur war da immer noch ein Problem: Es konnte immer nur einer Kolumnist sein, diese Sperre war durch die Copa-Software gegeben. Damit war die Idee des Kolumnistenkreises erst einmal auf Eis gelegt – die naheliegendste Lösung hatten wir schlicht übersehen. Erst einige Wochen später machte uns Verrückter Engel (vielleicht dem ein oder anderen Veteranen hier noch bekannt) darauf aufmerksam, dass man auch in Australien einen Kolumnistenkreis betreiben würde und das Problem der vielen Autoren einfach so löste, dass einer der Schreiber pro forma als Kolumnist eingetragen war und die anderen Autoren diesem ihre fertigen Beiträge schickten, sodass der pro-forma-Kolumnist sie nur noch veröffentlichen musste.

Ich hatte es bereits erwähnt, auch PJ Robert (in Griechenland bekannt unter dem Pseudonym Kent Karlsson) war eine Hälfte des GKK. Er hatte sich sofort auf meine Anfrage nach Interessenten für die Bildung eines Kolumnistenkreises gemeldet und mangels weiterer Freiwilliger begannen wir eben zu zweit und blieben während unserer ganzen Kolumnistenzeit ein Duo, das sich immer besser kennen lernte. Es war wirklich toll, mit PJ zusammenarbeiten zu dürfen, er ist ein großartiger Kerl, er schrieb wundervolle Kolumnen (darum habe ich ihn stets ein bisschen beneidet, ich mochte seine Beiträge einfach mehr als meine eigenen) und er ging immer unheimlich konzentriert und konsequent zur Sache – meistens hatte ich schon Freitag abend oder Samstag morgen seine fertige Kolumne vorliegen, während ich mich für gewöhnlich am Samstag nachmittag abmühte.

Vielleicht sollte ich einmal beschreiben, wie meine Arbeit an der Kolumne aussah. PJ und ich hielten es immer so, dass einer von uns beiden immer für die komplette Kolumne eines Spieltags zuständig war. Was man selbst schreiben wollte, war völlig egal, einige Themen boten sich natürlich an. So war die griechische erste Liga ein fester Bestandtei, ab und zu gönnten wir uns auch einen Blick in die Beta Ethniki, die zweite Liga. Das war vor allem zur Winterpause sehr beliebt, dann konnte man dort schon die ersten Trends festmachen, wer Chancen auf den Aufstieg hat. Die griechischen Vereine in den internationalen Pokalwettbewerben waren natürlich immer ein Thema, ebenso die Trainerwechsel in Griechenland (davon blieben wir glücklicherweise lange Zeit verschont, aber vor allem gegen Ende setzte eine deutlich höhere Fluktuation ein). Außerdem wurden natürlich immer wieder Statistiken bemüht, angefangen von den Oddset-Quoten bis hin zur Fux-Schaf-Statistik… Den bekannten griechischen Altstars wie beispielsweise MisterGenial wurde auch immer wieder Platz eingeräumt, so befasste sich etwa eine halbe Kolumne lang mit seinem Rücktritt, um schließlich in der Hoffnung zu gipfeln, dass der am Karfreitag zurückgetretene Trainer ja vielleicht schon am Ostersonntag zurückkehren könne… 😉 Ach ja, und natürlich ging man während der WM und der Qualifikation hierzu auch auf die Nationalmannschaft ein, aber das ist ja wohl selbstverständlich. Ein weiteres Element waren Interviews, die in unregelmäßigen Abständen mit den griechischen Trainern geführt wurden. So führte man unter anderem ein Gespräch mit dem frischgebackenen Newcomer der Saison, einem gewissen Chris, der soeben mit Proodeftiki Nikea aufgestiegen war und heute wohl jedem regelmäßigen Forums-Gast bekannt sein dürfte. Gewissermaßen ein Stück Copa-Zeitgeschichte ( 😉 ), wenn Chris davon plaudert, dass er sich in Nikea pudelwohl fühlt und im Zweifelsfall seinen Zweitverein Juan Aurich in Peru von der Bettkante stoßen würde.

Eine gewisse bayrische Mia-san-mia-Mentalität lässt sich aber definitiv in der Kolumne festmachen. Die Alpha Ethniki wird vor allem zu Beginn als die großartigste Liga der Welt gerühmt, über den finnischen FC Lahti, der im UEFA Cup gegen einen griechischen Klub antreten musste, pflegte man schon einmal zu urteilen, der Verein habe kaum mehr Anhänger als eine Straßenbahn. Ganz klar, man rühmte die eigene Liga. Manchmal schien man zu glauben: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Ich habe gerade noch ein kleines Beispiel dazu gefunden, einem „Test“ für angehende Griechenland-Trainer. Er ist etwas länger, ihr findet ihn deswegen am Ende dieses Artikels.

Dieser Test war eines jener „Schmankerl“, für das der GKK berühmt war. PJ und ich ließen uns immer wieder was einfallen, um die Leser zu unterhalten. Dazu zählten die Einsätze unseres gemeinsam gepflegten Reporters Georgios Grammatikakis, der hin und wieder einmal investigativ nachfragen durfte. Ich kann mich nicht einmal mehr an alle Aktionen erinnern, weiß nur noch, dass es eigentlich immer gut ankam.

Einer der für mich persönlich wichtigsten Punkte war aber, dass der GKK in einigen Punkten eine Vorreiterrolle für die Kolumnenlandschaft Copas gespielt hat. Wir hatten schon wirklich früh damit begonnen, unsere Kolumnen mittels HTML zu formatieren, was damals wirklich ein Novum war. Viele andere Blätter taten es uns nach und heute findet man es in so gut wie jeder Kolumne. Eine weitere Innovation und Neuheit war die Einführung eines Kolumnen-Logos. PJ und ich gestalteten es gemeinsam, wobei die letztendlich verwendete Fassung von PJ kam. Wir hatten uns schon bald auf das Motiv der Eule geeinigt und nach einigem Suchen und Basteln hatten wir ein tolles Logo – und waren stolz wie Oskar, es in unserer Kolumne spazieren tragen zu können.

Zum Abschluss will ich auch noch einmal über das Ende des GKK sprechen. Dazu muss man wissen, dass PJ und ich durchaus mehrere Stunden an unseren Texten arbeiteten. Zusätzlich hatten wir natürlich noch ein „normales“ Leben, gingen zur Schule (ich) bzw. studierten (PJ). Da jedes Wochenende ein paar Stunden Zeit locker zu machen, kostet erstaunlich viel Energie und – so war es zumindest bei mir – nach einigen Saisons fühlt man sich tatsächlich ein bisschen ausgebrannt und leer. Man hat nicht mehr wirklich Lust darauf, die Kolumne weiter zu betreibe, tut es aber dennoch, um den anderen nicht im Stich zu lassen. Wir hatten uns auch einmal über das Aufhören unterhalten und irgendwann war es dann kurz nach einer Copa-Winterpause so weit, dass wir beide daran dachten, das Projekt zu beenden. Wir wollten noch bis zum Saisonende weiterschreiben und es dann mit einem großen Knall beenden. Wir waren noch einmal total motiviert, mit unserer letzten Kolumne etwas Besonderes abzuliefern und dies war auch tatsächlich die einzige Kolumne, die wir uns teilten (wir hatten natürlich vorher bereits über die Themen gesprochen, diese dann aufgeteilt und schon möglichst viel von hoher Qualität vorproduziert, um am entscheidenden Wochenende nur noch die wichtigsten Texte neu verfassen zu müssen, was der Qualität zugute kommen sollte). Es wurde eine lange, wirklich tolle Kolumne, mit der wir beide das Projekt GKK beendeten. Im Nachhinein war es wohl die richtige Entscheidung, wir haben aufgehört, bevor die Kolumnen nur noch ein Schatten der guten GKK-Zeiten waren.

Hier also zum Abschluss noch einmal der Test aus einer Kolumne. Man sollte als neutraler Leser vielleicht noch wissen, dass es zwischen Griechenland und Schottland immer wieder eine herzliche Rivalität gab. Dann versteht man auch den Witz bei den Bewertungen… Ach ja, wenn ihr noch Fragen habt, beantworte ich die natürlich gerne, stellt sie doch einfach in den Kommentaren. Und: Sorry, wenn der Artikel teilweise etwas selbstverliebt klingt. Wir waren aber auch gu… 🙂

Der Test! Bist du geeignet für die Alpha Ethniki?

Frage 1: Ein Verein in der Beta Ethniki wird frei. Wie reagierst du?
a) Ich frage im Forum, was die Beta Ethniki ist.
b) Ich erstelle einen Doppelaccount und übernehme den Verein.
c) Nach reiflicher Überlegung stelle ich fest, dass ich lieber mit meinem georgischen Verein international spielen will und nicht in der zweiten Liga versauern.
d) Ich verlasse meinen Verein und wechsele nach kurzem Zögern.
e) Ich habe mir den Verein per Transferliste geschnappt.

Frage 2: Du merkst, dass du Jahr für Jahr gegen den Abstieg kämpfst. Deine Reaktion?
a) Ich erstelle mir einen Doppelaccount in dieser Liga und werde in der folgenden Saison rein zufällig Meister.
b) Ich wechsele in eine schwächere Liga, weil ich erfolgreich sein will.
c) Ich verbreite in der Ligazeitung die These, dass es einen gegen mich gerichteten Betrugsversuch gibt und vermute den amtierenden Meister als Drahtzieher.
d) Ich halte durch und hoffe darauf, dass sich die Zeiten ändern.
e) Ich optimiere meine Gegneranalyse, überdenke meine Strategie und versuche, so viele Boni wie möglich zu ergattern.

Frage 3: Was ist deine Vorstellung von der perfekten Liga?
a) So leichte Gegner, dass ich jede Saison souverän den Meistertitel hole.
b) Eine möglichst ruhige Liga, schließlich will ich meinem Verein nicht zu viel Zeit widmen.
c) Die Liga ist egal, Hauptsache es gibt eine aktive Zeitung.
d) Viele bekannte Spieler und ein hoher Bekanntheitsgrad.
e) Die für mich perfekte Liga beginnt mit „A“ und endet mit „lpha Ethniki“.

Frage 4: In zwei Saisons ist wieder einmal Copa-WM. Für welche Nation entscheidest du dich?
a) Copa-WM? Nie gehört.
b) Argentinien, denn da habe ich die besten Chancen, dabei zu sein.
c) Südafrika, denn da gefällt mir die Zeitung am besten.
d) Neuseeland, denn da gab es letztes Mal nur Legionäre…
e) Griechenland, denn ich will mich der Herausforderung stellen, von allen gejagt zu sein.

Frage 5: Deine Zeitungsartikel sind für gewöhnlich…
a) … kopiert.
b) … gerade so lang, dass ich den maximalen Bonus bekomme.
c) … beleidigend.
d) … witzig.
e) … ausführlich und aufwändig.

Frage 6: Wie schätzt du dich selbst ein?
a) Ich bin einer der schlechtesten Mitspieler und nicht bestrebt, dies zu ändern.
b) Ich bin der beste Spieler überhaupt, nur weiß das keiner.
c) Ich konnte mein Potenzial bislang nicht ausschöpfen.
d) Ich bin nicht schlecht, von der Spitze aber noch entfernt.
e) Ich konnte zwar einige Titel gewinnen, mein Können sollen aber Andere einschätzen.

Die Auswertung
Für jede Antwort gibt es verschieden viele Punkte.
Für jedes
A gibt es keinen Punkt,
B gibt es einen Punkt,
C gibt es zwei Punkte,
D gibt es drei Punkte,
E gibt es vier Punkte.

0 – 6 Punkte:
Leider zeigst du bislang keine Begabung, die es rechtfertigen würde, dass sich die Alpha Ethniki um dich bemühen würde. Geh einfach nach Schottland…

7 – 18 Punkte:
Zwar schlummert in dir viel Talent, allerdings hast du es noch nicht geschafft, dieses zu vollständig zu wecken. Nimm den Umweg über ebenfalls erstklassige Ligen wie Uruguay oder Portugal und stoße in die Alpha Ethniki vor, wenn du dich reif genug fühlst.

19 – 24 Punkte:
Keine Frage, du gehörst einfach nach Griechenland! Sollte wieder einmal ein Verein frei werden, weißt du, was du zu tun hast.

– Max

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8 Antworten zu “Der GKK

  1. Sehr schön geworden. Das war echt ne geniale Zeit mit dem GKK!

    Und dann werd ich auch noch so überschwänglich gelobt… *rotwerd* Kann das Lob aber nur zurückgeben; hab’s immer genossen mit dir.

    So und jetzt genug der Selbstbeweihräucherung. 😉

  2. Aber mir ist beim Stöbern doch aufgefallen, dass einige Kolumnen von dir im Archiv fehlen… Ich glaube, ich hatte die Mail von dir per Mail erhalten, aber ich find’s grad nicht mehr.

    Wegen dem überschwänglichen Lob: Mit Recht, mein Lieber, mit Recht. 🙂

    So, und jetzt wieder auf bescheiden tun… 😉

  3. Wo finde ich denn das Archiv?

  4. Auf meiner Festplatte. 🙂 Ist nicht online…

  5. Da drängt sich mir doch eine Frage auf: „Warum nicht?“

  6. Hmmm… Ist halt eben nicht vollständig und ich kann’s auch leider nicht mehr eindeutig zuordnen. Vielleicht wär’s mal ein Fall fürs CopaWiki, aber ich hab im Moment nicht wirklich Zeit für solche Späße. Wenn ich mal ein paar Tage nix zu tun hab, dann kommt das vielleicht hoch. 🙂

  7. Wie wärs mit Email? 😉

  8. E-Mail? An wen? Mit welchem Zweck?

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