Tea Time! #3

Dear readers,
Bislang habe ich stets als Außenstehender geschrieben, hatte keinen Trainerposten in England. Wenn ich die Kolumne schon so beginne, dann ist klar: Es hat sich etwas geändert.
Inzwischen, so kann ich vermelden, bin ich stolzer Trainer von Stoke City, Zweitligist aus Stoke-on-Trent, der Stadt, aus der Robbie Williams und der Kapitän der Titanic stammen. Die Potters, wie der Verein auch genannt wird, haben eine eher kurze Copa-Historie, auf die sie zurückblicken können. Der Klub entstand mit der Eröffnung der zweiten englischen Liga, die beste Platzierung war ein achter Platz in der First Championship.
Doch ich bin – und darum soll es in der heutigen Kolumne gehen – nicht der einzige Neue auf den englischen Trainerbänken. Gleich sechs weitere Vereine haben seit dem Saisonbeginn ihr Personal ausgewechselt und zwei weitere Mannschaften sind noch eifrig auf der Suche nach einem neuen Chef-Strategen am Spielfeldrand.
Besonders zu erwähnen sind natürlich die beiden Erstligisten, die einen Trainerwechsel vollzogen. Beide Transfers wurden übrigens von langer Hand arrangiert und waren im Vorfeld abgesprochen, es gab also keine Demission aufgrund von Disziplinproblemen oder chronischer Erfolglosigkeit.
Bei Leicester City ist seit dem Beginn der Saison Emanuel Cannavaro unter Vertrag, ein Interview mit ihm war bereits in der letzten Ausgabe der Kolumne zu lesen. Dieser ist seit bereits zehn Spielzeiten international als Trainer tätig, wobei eindeutig Italien im Fokus seiner Laufbahn stand. Nach einem Jahr beim dänischen Zweitligisten Randers FC wurde er Cheftrainer von Juventus Turin in Italiens Serie B. Nach drei Jahren gelang ihm der Aufstieg in die erste Liga, die alte Dame Juve schien wieder zurück auf Erfolgskurs und erreichte trotz hochmotivierter Gegner und überforderter Defensive in den folgenden vier Saisons stets einstellige Tabellenplätze. Den Höhepunkt fand dies im Vizemeistertitel in Emanuels achter Saison auf den Trainerbänken dieser Welt. Wie bereits in der Kolumne erwähnt war Turin punktgleich mit dem Meister US Lecce, hatte aber die schlechtere Tordifferenz (inwiefern dies aber an den zahlreichen Gegentoren festzumachen ist, stellt sich als fraglich dar, denn in der genannten Saison hatten immerhin sechs Klubs noch mehr Gegentreffer zu verzeichnen als Juventus). Danach ging es abwärts für den Traditionsverein, in den beiden folgenden Spielzeiten versank man im Mittelmaß und konnte keinesfalls an die Erfolge früherer Tage anknüpfen. Dies war wohl einer der Ausschlag gebenden Gründe für Emanuel Cannavaro, sich in nördlichere Gefilde aufzumachen und bei Leicester City anzuheuern. Dort sieht es zuletzt ganz passabel aus, angepeilt ist ein Platz in der ersten Tabellenhälfte.
Auch der FC Liverpool, einer der großen englischen Klubs, verpflichtete in der Sommerpause einen neuen Coach. Zidane verließ den Verein aus privaten Gründen, sein Nachfolger wurde der zuletzt in Spanien bei Valencia tätige Kily Gonzales. Auch dieser kann sich wie Emanuel Cannavaro auf einen nicht zu unterschätzenden Erfahrungsschatz stützen, den er sich bei Engagements für den Ionikos FC (in der Debütsaison in die erste griechische Liga aufgestiegen und dort auf Anhieb behauptet) und Ljungskile SK (drei Mal den Aufstieg in Schwedens erste Liga haarscharf verpasst). Präsidium und Trainer haben sich darauf geeinigt, am Saisonende unter den ersten fünf Mannschaften vertreten wollen zu sein. Im Moment sieht es so aus, als könne Liverpool durchaus dieses Ziel erreichen, in der Liga befindet sich der Verein aktuell auf dem dritten Tabellenplatz.
Wesentlich kürzer abhandelbar sind die Verpflichtungen in der First Championship, denn hier sitzen nun einige Neulinge zum ersten Mal in ihrer Karriere als Verantwortlicher auf der Trainerbank eines Profi-Vereins. JMatzen (Birmingham City) und DeNo (Bradford City) sind diese Kandidaten, die sich nun im Haifischbecken bewähren wollen, nachdem sie ins kalte Wasser geworfen wurden.
Zumindest über ein wenig Erfahrung verfügt Memphis, der neue Trainer des FC Southampton, der immerhin schon auf zwei Spielzeiten in der zweiten Schweizer Liga mit dem AC Lugano zurückblicken kann. Am Ende standen jedes Mal ordentliche Resultate, mit dem Aufstieg hatte der Klub am Ende jedoch meistens wenig zu tun – aber das kann ja noch kommen.
Vollkommen anders sieht es da bei El Presidente aus, dem neuen Cheftrainer von Sheffield Wednesday. Der dreimalige Meister und UEFA-Pokal-Finalist ist seit nunmehr zwanzig Jahren (mit einer kurzen Unterbrechung) im internationalen Fußballgeschäft tätig. In der damals noch existierenden Balkanliga gelangen ihm mit Slovan Bratislava zwei Meistertitel und der bereits erwähnte Einzug ins Endspiel des UEFA Cups. Nach der Auflösung in einzelne nationale Liga wechselte El Presidente in die zweite Bundesliga, wo er mit dem 1. FC Nürnberg respektable Ergebnisse einfuhr. Doch dort hielt es ihn nicht lange, bereits nach zwei absolvierten Spielzeiten zog es ihn wieder gen Osten, diesmal war die tschechische Gambrinus Liga das Ziel. Nach einem kurzen Intermezzo beim FK Jablonec 97 nahm ihn Banik Ostrava unter Vertrag, wo er auch auf Anhieb Meister wurde. Imposant auch der Rest der Tschechien-Bilanz: El Presidente beendete keine Saison schlechter als auf dem vierten Platz.Im Moment noch auf der Suche nach einem geeigneten Cheftrainer sind Reading FC und Rotherham United.

An dieser Stelle möchte ich allen Neuverpflichtungen viel Erfolg, aber vor allem Spaß in England wünschen.
Best regards and merry Christmas!

-Max

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