Monatsarchiv: Januar 2008

Tea Time! #7

Dear readers,

wie vielleicht der eine oder andere weiß, war ich lange Zeit gemeinsam mit Kent Karlsson Trainer in der Alpha Ethniki, der ersten griechischen Liga; er leitete Panathinaikos, ich anfangs Olympiakos Piräus und später AO Veria. Dabei war es stets er, der die Erfolge verbuchen konnte (drei Meisterschaften, ein Mal die Champions League), während ich mein Dasein eher im Mittelfeld der Tabelle fristete. Dennoch verband uns eine gemeinsame Geschichte, wir schrieben die griechischen Kolumnisten und gleichzeitig zu Beginn auch als „die jungen Wilden“ bekannt, die die traditionsreiche griechische Liga aufmischten. Gemeinsam beendeten wir irgendwann das Kolumnenprojekt und gleichzeitig – aber nicht abgesprochen – verließen wir Griechenland, um Platz für neue Gesichter zu machen und uns anderen Herausforderungen zu widmen.
Kürzlich konnte ich mich mit Kent unterhalten.

Frage: Hallo Kent, schön dich wiederzusehen! Nach der letzten Saison trennten sich ja unsere Wege, mich verschlug es in die zweite englische Liga, während du erstklassig bliebst und bei Benfica Lissabon angeheuert hast. Konntest du dich bereits in Portugal einleben?
Das ist wirklich nett, wieder mal mit dir zu plaudern. Ich hatte noch nicht allzuviel Zeit, mich in Portugal einzuleben. Ich musste mich vor allem darum kümmern, meine neue Mannschaft kennenzulernen und die jeweiligen Gegner zu studieren. Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass die Mentalität nicht viel anders ist als in Griechenland.
Was waren für dich anfangs die größte Veränderung?
Nun ja, es gab anfangs schon einige sprachliche Barrieren, aber das wird von Tag zu Tag besser. Ich fühle mich wirklich schon recht wohl.
Ich habe Gerüchte gehört, dass du auch mit dem Gedanken gespielt hast, in England einen Vertrag zu unterschreiben. Ist da was dran?
Ich mag den englischen Fussball sehr, und auch was das Traineraufgebot anbelangt, brauchen sich die englischen Ligen nicht zu verstecken. Insofern muss ich keinen Hehl daraus machen, dass mich der Sprung auf die Insel durchaus gereizt hätte. Es gab denn auch Angebote mehrerer englischer Vereine. Ich hätte nur noch zusagen müssen. Aber ich habe mich letztlich doch gegen England entschieden – jedenfalls für den Moment.
Was war der ausschlaggebende Punkt für Portugal?
Das Gesamtpaket war entscheidend. Auch die portugiesische Liga ist stark besetzt und Benfica ist ein Verein mit grossartiger Tradition. Das hat einfach gepasst. Es hat mich gereizt, diesen Verein wieder dorthin zu führen, wo er hingehört.
Was willst du mit Benfica noch erreichen – diese Saison und langfristig?
Im Moment zählt nur der Klassenerhalt. Nach den selstamen Trainingsmethoden meines Vorgängers – da waren Räucherstäbchen und Fruchtbarkeitstänze im Spiel – hatten wir einige Defizite aufzuholen, aber ich denke, wir sind auf gutem Weg. Längerfristig kann das Ziel nur lauten, Benfica in den internationalen Wettbewerb zu führen – vielleicht gibt es ja einmal ein Stelldichein mit einem Vertreter aus England. Ich weiss natürlich, dass die Fans von einem Titel träumen. Das halte ich auch nicht für unrealistisch, allerdings wird das nicht von heute auf morgen gehen.

Best regards!

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Erste Überraschungen im Africa-Cup

Mensch, das geht ja schon gut los. Im Eröffnungsspiel siegt der ghanaische Gastgeber mit 2:1, verdient, aber unter Mithilfe eines „Kann man geben, muß man aber nicht!“-Elfers. Nun gut, man war besser…
Titelverteidiger Ägypten ballert in einem Doppel-Torschützen-Spiel die wie immer hoch eingeschätzten Löwen aus Kamerun (trainiert vom Deutschen Otto Pfister) vom Platz. Sowohl Samuel Eto´o als auch Mohammed Zidan treffen zweimal.

Eto

Zidan

Den Unterschied macht ein weiterer doppelt treffender Ägypter: Hosni Abd Rabo von Racing Straßbourg, neuerdings wieder bei Al-Ismaily.

Abd Rabo

Unterdessen frühstücken „meine“ Marokkaner die chancenlosen Namibier mit 1:5 ab und auch die Sambanasen spielen aktuell äußerst erfolgreich und lassen den auf Kräfte aus der eigenen Liga setzenden Sudanesen überhaupt keine Siegmöglichkeit. Läuft gut, es steht gerade 3:0.

Fehlt nur noch das Topspiel in der Vorrunde: Berti Vogts unterliegt mit seinen Super Eagles aus Nigeria im absoluten Spitzenspiel mit 0:1 gegen die Elfenbeinküste, bei denen allerdings nicht Superstar Drogba das entscheidende Tor macht, sondern sein Chelsea-Club-Kollege Salomon Kalou. Runde Sache, dieser Auftak. A propos Chelsea: Da hat man doch im Moment einen Riesen-Aderlaß zu verkraften, oder?

Elfenbeinküste

Honduras Salzburg

Dieser Beitrag gehört eigentlich Graf Zahl, der hat mir nämlich den passenden Hinweis geschickt. Muss man fairerweise dazusagen. Also: Danke, Graf! 🙂

In Honduras gibt’s einen Fußballklub namens Honduras Salzburg. Alleine schon der Name löste bei mir ein sehr herzliches Lachen aus… Der Klub existiert real und hat z.B. einen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia. Und auch das Wappen des Vereins ist ein echter Knaller, durch eine düstere Bestie versucht man tatsächlich, sich selbst eine gewisse Gefährlichkeit zuzuschreiben. Was allerdings der Ball da soll, das versteh ich nicht so wirklich. Vom Strahl her müsste er ja von dem Biest wegfliegen, aber wo kommt er her? Wenn man die Linien verfolgt, dann wohl irgendwie zwischen den Zähnen herausgeflutscht… Oder aus der Wange? Hmmmmmmmmm…

Aber auf jeden Fall: Starker Name, der Verein! 😀

-Max

Deppenapostroph?

Hierzu vergleiche man das Wappen von Destroyers Santa Cruz de la Siera mit dem Vereinsnamen… Hmmm, da war doch was… 😉

-Max

Ein Tag Schweigen…

Datensammler sind Verbrecher!
Eine Initiative des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung

Tea Time! #6

Dear readers,
Kurz vor dem Ende der Hinrunde sind traditionell die ersten Prognosen möglich. Es haben sich Trends gefunden, es sind Tendenzen erkennbar. Ich habe mir für diese Woche ausgedacht, einfach einmal zu offenbaren, was ich zur Situation in der Premier League und in der First Championship denke.

Die Premier League
Hier war vor allem die große Frage, wie sich die beiden neuen Trainer Kily Gonzales und Emanuel Cannavaro schlagen würden. Beide waren auch vorher schon bekannte Größen, doch wie schnell würden sie sich an den Fußball auf der Insel anpassen?
Der FC Liverpool, trainiert von Gonzales, befindet sich derzeit auf einem guten sechsten Platz in der Tabelle. Ich persönlich muss sagen, dass mich das überrascht hat, eigentlich hatte ich hier mit einigen Anlaufschwierigkeiten gerechnet.
Leicester City unter der Leitung von Cannavaro steht zwar auf einem deutlich schlechter scheinenden 13. Tabellenplatz, liegt aber nur einen Punkt hinter den Reds. Außerdem ist es hier gelungen, Verletzungen und Ausfälle größtenteils zu vermeiden, sodass Leicester im Laufe der Saison wohl den Druck erhöhen und mehr Punkte sammeln kann.
An der Spitze haben Coventry City und vor allem der FC Arsenal schon einen beträchtlichen Teil ihres Pulvers verschossen, ohne jedoch einen nennenswerten Vorsprung herauszuspielen. Es ist für mich sehr unwahrscheinlich, dass am Ende einer dieser beiden Vereine Meister werden wird.
Im Moment traue ich es in erster Linie Fulham und Aston Villa zu, am Ende den Titel zu holen. Für zweitligatauglich halte ich Wigan Athletic und Cardiff City. Auch Newcastle United scheint mir bedroht und trotz der guten Position in der Tabelle auch Arsenal, die in der Gefahr schweben, gegen Ende durchgereicht zu werden.

Die First Championship
Sind die Abstände zwischen den einzelnen Vereinen in der Premier League dieses Jahr eher gering, so muss man in der First Championship vom Gegenteil sprechen. Satte 35 Punkte liegen nach 19 Spielen zwischen dem Erst- und dem Letztplatzierten. Gleichzeitig hat es das Schlusslicht Reading FC geschafft, sich trotz der vielen Niederlagen in den Spielen zu verausgaben und besitzt damit minimale Chancen, am Ende der Spielzeit als Erstligist dazustehen. Ich bin so kühn und sage: Wenn Reading diese Saison aufsteigt, dann spende ich dem Trainer einen Hunderter!
Mit dem Aufstieg haben da schon eher die Bolton Wanderers, der FC Watford und die Tottenham Hotspurs, die sich übrigens zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der zweiten Liga wiederfinden, zu tun. Die drei Vereine spielten einen bezaubernden Offensivfußball (der jedoch auch manchmal sehr zu Lasten der Kondition der Spieler ausging) und konnten sich einen komfortablen Vorsprung herausarbeiten. Wer dieses Spitzen-Trio einholen will, der muss schon ordentlich punkten und mich würde es nicht wundern, wenn mindestens zwei dieser drei Klubs am Ende tatsächlich den Aufstieg verwirklichen. Ganz besonders zu gönnen wäre dies natürlich Watford und Bolton, die bislang als gestandene Zweitliga-Vereine galten und noch nie die Möglichkeit hatten, sich in der Premier League zu präsentieren. Eine mögliche Gefahr für dieses Spitzentrio könnten eventuell noch Norwich City, Crystal Palace und der Walsall FC darstellen, die allesamt eher zurückhaltend agierten und nun wohl eine umso explosivere und offensivere Rückrunde spielen werden.

Best regards!

Africa Cup of Nations – der Vorteil und Spaß des Copa-Spielers!

Da geht er bald wieder los, der Africa-Cup! Das Turnier des „echten“, von unbändiger Spielfreude und immer noch, wenn auch immer weniger, gepaart mit manchmal taktischen Mängeln geprägten Fußballs auf dem afrikanischen Kontinent.

Drogba für die Elfenbeinküste

Und als Copa-Spieler hat man einfach diesen unbeschreiblichen Wissens-, ja Klugscheiß-Vorteil, den enormen Spaßgewinn bei diesem Turnier. Während der durchschnittliche geneigte Bundesliga-Fan und Sportschau-Zuschauer vom Africa von diesem Turnier bestenfalls mitbekommt, daß Sanogo, Haggui, Zidan, Demel und Co mal wieder für 4 Wochen nicht bei ihrem Verein sein werden und auch irgendwie die halbe Vorbereitung verpassen und dann vielleicht auch noch verletzt wiederkommen, ist der afrikaerfahrene Copa-Spieler wissenstechnisch um Lichtjahre voraus.

Nicht nur, daß man bei einem Duell Senegal-Südafrika eben neben dem Duell El Hadj Diouf gegen Sibusiso Zuma auch an die Senegallier und das Spotz denken muß. Oder beim Spiel Elfenbeinküste-Nigeria nicht das Topspiel in der Vorrunde des Afrika-Cups und Drogba und Obafemi Martins im Auge hat, sondern eben auch die Tatsache, daß beide Ligen in Copa eigentlich nicht besonders medienpräsent sind, ja die Elfenbeinküste noch nicht einmal offiziell eröffnet ist. Nicht nur, daß es Algerien mal wieder geschafft hat, in der Quali zu scheitern und am Africa-Cup nicht teilzunehmen, während bei Copa die Division 1 doch – bewußte Abwertung oder Verherrlichung hin oder her – eine gewisse Präsenz einnimmt und in den aktuellen CAF-Wertungen seit einiger Zeit den Spitzenplatz einnimmt.

Nein, es ist vor allem eins, daß den Copanianer am Africa-Cup begeistert: Man kennt einfach jeden noch so nichtssagenden Club aus der tiefesten afrikanischen Provinz! Ich persönlich freue mich jedes Mal einen Ast ab, wenn ich zufällig bei Eurosport gegen nachmittag reinzappe und dann auf dem üblichen, von der Sonne nahezu komplett weggebratenen, angegilbten Rasen zwei Teams sehe, die auf einem solchen Rübenacker tolle Tricks auspacken und ich weiß, die Jungs tauchen in zwei-drei Jahren in der französischen Ligue 1 oder in Belgien oder Spanien auf, weil sie es einfach technisch enorm drauf haben und dazu noch laufen wie die Hasen! Hinzu kommt der übliche Trikottausch nach Spielende, bei dem man als fettleibige, degenerierte mitteleuropäische Couch-Potatoe einfach nur vor Neid erblassen kann. Ja, blaß kommt da auch noch hinzu! 😉

Spielfreude pur in Afrika

Gesteigert wird die Freude aber erst dann, wenn die gewohnt inkompetenten Eurosport-Moderatoren wieder mal nicht in der Lage sind, die Spieler- und Vereinsnamen auch nur halbwegs anständig auszusprechen, während man selbst direkt das breite Grinsen aufs Gesicht bekommt, wenn man hört, daß Südafrikas Surprise Moriri bei den Mamelodi Sundowns agiert und man dann denkt: „Ja Mensch, da hat der Clooney ja gute Jugendarbeit gemacht!“, man bei Ghanas Verteidiger Harrison Afful von Asante Kotoko sofort weiß, was Sache ist und der Junge noch im eigenen Land spielt oder Marokkos Hicham Mahdoufi bei Metalist Kharkiv aufläuft und im Grunde total klar ist, daß dem Jungen in der Ukraine wahrscheinlich mächtig kalt ist.

Der Senegal spielt übrigens ohne jegliche Spieler aus der Heimat – auch nicht schlecht! Währenddessen läuft der Sudan nur mit Spielern der beiden Edelclubs aus Omdurman auf:

Ach ja, und Ishiaku wurde vom Vogts-Berti aus dem Nigeria-Kader gestrichen, Hut ab. Dürfte so oder so wieder megaspannend werden!

Ich liebe den Afrika-Cup und ich hoffe, Ihr werdet meine Begeisterung teilen!

http://de.eurosport.yahoo.com/fussball/afrika-cup/

Obafemi Martins