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Presse: Sommer in England

Douglas, Isle of Man. 26000 Einwohner zählt diese Stadt an der Ostseite der weltbekannten Insel in der Irischen See. Seit einigen Wochen hat hier auch Max Alletsee, ehemaliger Trainer des griechischen Rekordmeisters AO Veria, sein Quartier bezogen.

Seinen bisherigen Trainerstab ließ er in Griechenland zurück, sie sollen bei Veria Powerkrauts bulgarisches Team unterstützen. „Ich habe mich dazu entschieden, mit einem neuen Stab an meiner nächsten Arbeitsstelle zu beginnen“, sagt er. „Mein Umfeld bestand aus präzisen Kennern der griechischen Liga, dort liegt ihr Spezialgebiet. Hier im Norden wird anders gespielt, da muss man auch das Training anders gestalten. Deswegen diese bewusste Entscheidung gegen meinen alten Stab.“

Er sitzt in einem Café am Hafen von Douglas. Draußen bläst der Wind, die See ist rau; hier innen dampfen große Tassen, einige Einheimische spielen Backgammon, zwei Rentner beugen sich über ein Schachbrett. Seit einer Woche ist auch Alletsee hier ein regelmäßig gesehener Gast. Für die Sommerpause hat er sich vorgenommen, seine Trainingspläne zu überarbeiten, sie an die gröbere Spielweise in Großbritannien anzupassen. „Man braucht mehr Muskulatur für das britische Spiel“, erklärt er, „man muss stabiler gebaut sein. In Griechenland sind die Verteidiger große Brocken und die Stürmer eher klein und schmächtig. Hier ist die Abwehr beweglicher, dafür aber das Mittelfeld und der Sturm stärker gebaut. Das muss man berücksichtigen.“ Er wolle aber nicht bei Null anfangen, schiebt er sofort hinterher. Bei Veria habe er sich einige Gedanken zum One-Touch-Fußball gemacht – jeder Spieler nur wenige Ballberührungen, ein ständiges Passen, Verschieben. „Wenn das ordentlich klappt, kommt eine nicht perfekt funktionierende Abwehr ungeheuer ins Schwimmen. Und welche Defensive ist schon perfekt?“ Er grinst ein bisschen in sich hinein und in diesem Moment ist man sich absolut sicher, dass vor seinem inneren Auge gerade ein Film läuft, ein grandios vorgetragener Spielzug, der – natürlich! – in einem Tor gipfelt. Er greift nach seinem Kaffee und genießt einen Schluck, stellt die Tasse wieder ab und streicht mit den Fingern langsam über den Rand der Tasse. Für einen Moment ist er weg, nicht mehr Teil dieser Welt. Das Backgammon, die Schachspieler, der Wind draußen, die See, die an den Kaimauern hochschlägt – sie finden für einen kurzen Augenblick nicht statt.

Doch dann setzt er sich auf, legt die Hände aneinander und die Augen werden wieder scharf und klar. Er merkt, dass wir ihn beobachtet haben. Nur weiter, nicht darüber nachdenken… Er setzt wieder an: „Ich habe hier auf der Isle of Man natürlich auch Fußball angeschaut, das örtliche Spitzenspiel. Laxey gegen Saint Georges. Natürlich war das kein hochklassiges Spiel, aber das ist einem ja von vornherein bewusst. Dafür spürt man einfach, was den britischen Fußball so auszeichnet, diese Konzentration auf das Körperliche.“ Rugby habe er sich auch angesehen, den Douglas Rugby Club. „Ich wollte so viel in mich aufnehmen wie möglich. Jahrelang konnte ich den griechischen Fußball studieren und habe dort auch einige Ideen entwickelt, wie ein Spiel funktioniert. Hier, in dieser neuen Umgebung, muss man natürlich einen Teil davon vergessen können, weil die Mentalität einfach anders ist. Ich beobachte jedes Spiel sehr genau, um danach zu überprüfen: Was ist in Griechenland ähnlich, was ist in Griechenland anders? Und was heißt das für meine Vorstellungen? Mit dieser Fragestellung ziehe ich unheimlich viel Inhalt aus jeder Partie, und sei sie noch so unbedeutend. Die Essenz des Fußballs erlebt man in den unwichtigen Spielen, in denen unter Freunden. Man schaue sich ein Spiel in einem englischen Park und eines am brasilianischen Strand an – und sofort kann man beide Länder charakterisieren.“ Er hat seine Fassung wiedergefunden, redet wieder flüssig vom Fußball und seiner Philosophie. Das kleine Fenster ins Innenleben ist wieder verschlossen. „Aber natürlich versuche ich auch, mir ein paar niveauvollere Spiele anzusehen. Die Isle of Man liegt ja ziemlich zentral hier, mitten in der Irischen See. Man kommt mit der Fähre leicht nach Wales, nach Irland, an die englische und an die schottische Westküste. Das nutze ich aus, beobachte Spiele, beobachte das Training von etwas größeren Vereinen. Immer dabei: Mein Notizbuch.“ Es liegt auf dem Tisch vor ihm. Ein kleines Büchlein, ein Moleskine, wasserabweisend und robust. Auf der Vorderseite ein sich an den Rändern etwas lösender Aufkleber, die englischen „Three Lions“. Was wohl die Seiten füllen wird? Notizen zu Vereinen, zu Spielen, zu Spielern? Taktiken, Varianten, spontane Ideen, hineingekritzelt in ein schnell skizziertes Spielfeld? Was wäre es wohl für ein Verlust, wenn dieses Büchlein verschwindet, verbrennt, im Meer versinkt?

„Jede Mannschaft besteht aus einer Mischung von eher dynamischen und eher ruhigen Spielern“, setzt er wieder an, legt die Hand auf das Notizbuch und zieht es zu sich heran, neben die große Kaffeetasse. „Und diese Verteilung muss ausgewogen sein. Ein dynamischer Spieler ist impulsiv, er beschäftigt den Gegner oder er beschäftigt sich mit dem Gegner. Er spielt instinktiv, ohne viele Gedanken daran zu verschwenden. Fußball ist für ihn Bauchgefühl, Intuition. Er denkt nicht über die eigenen Laufwege nach, er geht sie einfach. Das ist wichtig, das sorgt dafür, dass das Spiel schnell wird und schnell bleibt. Aber sich nur darauf zu verlassen, klappt nicht, es braucht auch einen Zusatz an ruhigeren Spielern. Sie haben die Übersicht, das Auge, den Verstand, den Kopf. Sie sehen, wohin das Spiel laufen wird, sie erkennen Situationen und reagieren darauf. Jede Situation ist durchdacht, sie ist Ergebnis eines Prozesses, beim eigenen Angriff Ausdruck von Kreativität. Aber wenn man nur ruhige Spieler hat, dann wird man vom Gegner überrannt, bevor man drüber nachdenken kann. Eine Mischung ist das Ziel.“ Wieder gönnt er sich einen Schluck Kaffee, wieder kreisen die Finger am Rand der Tasse. „In jeder Mannschaft, die nicht gut zusammenspielt, fehlt dieses Gleichgewicht. Ich bin mir inzwischen sicher, so viele Spieler selbst beobachtet zu haben, dass ich bei praktisch jedem Team durch wenige Transfers wieder ein geordnetes Zusammenspiel erzeugen kann. Und das gilt für jeden Mannschaftsteil.“ Er blickt einen kurz und entschlossen in die Augen, dann schließt er seine, öffnet sie wieder, konzentriert sich auf das Meer draußen.

„Wissen Sie“, setzt er wieder an und räuspert sich kurz, „das hört sich jetzt so an, als ob ich hier jeden Tag sitzen und meinen Kaffee trinken würde und ab und zu mal ein Spiel beobachten. Oder eben öfters.“ Er pausiert kurz. „In Wahrheit sieht mein Tag so aus, dass ich mich nachmittags mit dem Fußball beschäftige, einige Stunden lang, konzentriert. Und vormittags, wenn ich nicht gerade aufs Festland unterwegs bin, um mir dort ein Spiel anzuschauen, dann drehe ich hier auf der Insel meine Runden, mache Waldläufe. In Veria habe ich das alles meinen Assistenztrainern überlassen und habe nur zugesehen; aber ich habe mir vorgenommen, hier so viel wie möglich selbst zu machen. Und nach all den Jahren zusehen muss man sich erst einmal wieder die Kondition erarbeiten, erlaufen. Ich ziehe mir die Laufschuhe an, schnappe den iPod und laufe los, gleichmäßiges Tempo, jeden Tag etwas länger. Hügel nehme ich in verschärftem Tempo, das muss etwas weh tun. Und so langsam merke ich, wie die Ausdauer zurückkehrt, wie ich so langsam wieder mit Fußballern mithalten kann. Das ist ein großartiges Gefühl, mit den „Arctic Monkeys“ auf den Ohren zu laufen und zu merken, dass es jeden Tag besser wird, dass man jeden Tag seinem Ziel ein kleines Stückchen näher kommt.“ Auf einmal lächelt er zufrieden. Die Arctic Monkeys, die arktischen Affen. Schon fast ein Sinnbild für ihn und seine Auffassung vom Fußball: Die Affen aus dem sonnigen Süden, die sich jetzt auf einmal mit kaltem, kühlen, rundum britischen Mistwetter herumschlagen müssen, das auf diese Affen ein wenig arktisch wirkt. Und dazu dieses zufriedene Lächeln…

-Max

Aus der Presse: Wie man nach England kommt

Soeben erschien mein Auftaktartikel für England, der natürlich von langer Hand vorbereitet war. Der Zeichenzähler zeigt 19.054 Zeichen an und wer Lust darauf hat, kann das ja auch im Blog lesen…

Die griechische Ägäis. Flach liegt sie da, nur ab und zu schaukeln ein paar Wellen sanft die Yacht, auf der unser Gastgeber sich momentan befindet. Eine leichte, kaum spürbare Brise zieht übers Meer, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. Wie im Bilderbuch, mag man sich denken, doch es ist real.

Wir haben hier ein Treffen verabredet mit einem Mann, den man in den vergangenen Wochen nicht privat treffen konnte. Wenn man ihn reden hörte, dann stand er bei den Mikrofonen der Journalisten, beantwortete hastig ein paar Fragen. Man konnte ihm in diesen Wochen ansehen, dass er eigentlich lieber weitergehen wollte, dass er nicht bei den Reportern stehen bleiben wollte. Doch er musste es, so sind nun einmal die ungeschriebenen Regeln seines Berufs. „Wenn ich der Presse nichts sage, dann erfinden sie sich selbst irgendwelche Geschichten. Dann lieber reden…“, erklärt er uns. Er hatte jetzt eine Woche Urlaub, konnte sich ein wenig vom stressigen Dauergeschäft seines Berufs, seiner Berufung erholen. Er hat gesagt, er will Kraft tanken für seine nächste Aufgabe. Und hat lange gezögert, als wir ihn gebeten haben, ihn ein Mal besuchen zu dürfen. Schließlich hat er zugesagt, unter der Bedingung, dass er sich erst einmal drei Tage erholen dürfte.

Schon vom Motorboot aus sieht die Yacht aus wie frisch geputzt, in gleißendem Weiß strahlt sie in der Sonne, unwillkürlich kneift man die Augen zu. Man sieht sie von weitem und doch dauert es lange, bis man sie endlich erreicht hat und an Bord ist. Dort erwartet uns unser Gastgeber, Max Alletsee, Trainer von AO Veria, dem griechischen Rekordmeister. Seit wenigen Tagen muss man ergänzen: ehemaliger Trainer. Alletsee wurde nicht gefeuert, auch wenn die Ergebnisse in fünf Jahren Veria nicht immer optimal waren. Der Vorstand hielt an ihm fest und am Ende war es der Trainer selbst, der an eine neue Herausforderung dachte. Jetzt steht er auf dem Deck, trägt Leinenhose und Polohemd, die Augen sind von einer großen Sonnenbrille bedeckt, die Haut gebräunt. „Die griechische Sonne…“, grinst er uns an. Für das Treffen hat er vorgeschlagen, dass man ihm im Urlaub besucht, nur kurz. So macht man also Urlaub, wenn man es geschafft hat, direkt nach Amtsantritt mit Veria Meister zu werden.

Er bugsiert uns aufs Vorderdeck, wo man künstlich für Schatten gesorgt hat. Das hier sei sein Lieblingsplatz auf dem Schiff, erklärt er uns. Gekühlte Getränke stehen bereit, man ist auf unseren Besuch gut vorbereitet. Wie war das eigentlich damals mit AO Veria, wollen wir wissen, werfen den Namen seines Vorgängers Gerrik Darben in den Raum. Kurz nippt Alletsee am Pfefferminztee, dann beginnt er zu erzählen, von den turbulenten Zeiten damals: „Zu dieser Zeit stand ich eigentlich bei Olympiakos Piräus unter Vertrag. Der Klub war eigentlich Abonnent für die letzten Plätze in der Liga und hatte jedes Jahr Glück, dass die Zweitligisten noch nicht aufstiegen. Ich hatte es tatsächlich geschafft, den Verein ein wenig auf Vordermann zu bringen, habe versucht, mit Konstanz nachhaltig gute Ergebnisse zu erzielen. Die Spieler haben zuerst sehr positiv reagiert, mein Rezept ging voll auf, wir zogen in der nächsten Saison in den UI-Cup ein. Von da an haben wir immer wieder ein bisschen zu hoch gepokert, zu riskante Transfers gewagt. Wir konnten das gute Ergebnis nicht bestätigen, mussten uns wieder Jahr für Jahr mit dem Abstieg befassen und haben es dann doch noch immer rechtzeitig geschafft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Wie gesagt, unsere Transfers haben alle nicht wie erhofft eingeschlagen, die Erwartungen aus dem Umfeld waren zu hoch. In meinem letzten Jahr bei Olympiakos bin ich dann zum Präsidenten marschiert und habe ihm erklärt, dass ich keine neuen Spieler mehr eingekauft sehen will und dass das Geld dafür in die Jugendschule gesteckt werden solle. Er hat etwas Zeit gebraucht und dann schließlich eingewilligt. Die Früchte davon konnte ich dann aber schon nicht mehr ernten, das hat mein Nachfolger übernommen. Es war zu dieser Zeit ein offenes Geheimnis, dass Gerrik Darben bei AO Veria ans Aufhören dachte. Er war von Anfang an dabei gewesen, hatte mit Veria alles erlebt, alles gewonnen. Auf seine alten Tage wurde er dann immer schweigsamer, lebte immer zurückgezogener. Veria versank eine Weile im Mittelmaß. Und irgendwann muss ihn noch einmal der Ehrgeiz gepackt haben, da zeigte er eine Saison lang das volle Repertoire und wurde am Ende Dritter. Wir anderen Trainer dachten schon, dass wir „den alten Darben“ wieder gesehen hätten. Mit ihm musste man rechnen, er wäre in der nächsten Saison bestimmt noch für eine Meisterschaft gut gewesen. Dann, von einen Tag auf den anderen, erklärte er der Presse, dass er an den Rücktritt denke. Er habe verfügt, dass der Verein für einen Nachfolger sorge.“ Alletsee macht eine kurze Pause, blickt kurz auf. Ob wir noch dabei wären? Jaja, weiter, weiter. „Die nächste Woche war das absolut Chaotischste, was ich in meiner ganzen Zeit als Profitrainer erlebt habe. Verias Präsidium zog alle Register, bereitete einen Plan B und einen Plan C vor, arrangierte Gespräche und Treffen. Ich war einer der Kandidaten, ein anderer war manuel, Trainer von Apollo Athen. Apollo und Piräus pflegten zu dieser Zeit eine herzliche Rivalität, was sich zwei Mal jährlich in packenden Derbys entlud. Persönlich hatte ich aber zu manuel ein gutes Verhältnis und uns allen war von vornherein klar, dass man auf jeden Fall die beste Lösung für Veria finden müsse, persönliche Eitelkeiten waren da völlig fehl am Platze. Veria verhandelte in erster Linie mit manuel und es sah schon nach einem erfolgreichen Vertragsabschluss aus, da machte manuel plötzlich einen Rückzieher. Die Gründe weiß bis heute kein Mensch, er hat sich einfach geweigert, seine Unterschrift unter den Vertrag zu setzen. Man kann sich vorstellen, in welcher Laune Verias Präsident da war… Auf jeden Fall erhielt ich sofort einen Anruf, ich solle sofort nach Veria kommen, wenn ich an dem Trainerposten noch interessiert sei. Es hatte einige Vorgespräche gegeben, doch mir war klar, dass ich an manuel als Kandidat nicht vorbeikommen würde. Während der Zugfahrt ließ ich mir die Situation durch den Kopf gehen. Ich hatte soeben bei Olympiakos dafür gesorgt, dass einige Spieler aus den Jugendmannschaften den Sprung ins Profiteam gepackt hatten. Ich setzte große Stücke auf sie, hatte sie seit Jahren bei Spielen gesehen und wusste, dass sie in mein Konzept passten. Vielleicht würde es damit gelingen, dass Olympiakos seinen Ruf als ewiger Verlierer würde abschütteln können. Gleichzeitig war da dieses Angebot aus Nordgriechenland, ein wahrer Traditionsverein. Gerrik Darben hatte den Verein von Beginn an begleitet und unglaubliche Erfolge in Griechenland und Europa gefeiert – und jetzt hatte er den Verein verlassen. Ich dachte an das weitere Schicksal dieses Vereins. Wer würde dort unterschreiben, wenn ich es nicht tat? Würde dort ein weiteres Mal das Experiment scheitern, jungen unerfahrenen Trainern viel Macht in die Hand zu geben? Ich malte mir Horrorszenarien aus, der fünfmalige Meister würde in den Niederungen der inzwischen existierenden zweiten Liga verschwinden. In Veria wurde ich in die Verhandlungsräume gebracht. Eigentlich hatte ich geplant, dem Präsidenten meinen inneren Zwiespalt vorzutragen, in der Hoffnung, dass er meine Bedenken entkräften könnte. Ich hatte Skrupel, Olympiakos einfach so über Nacht zu verlassen, den Vertrag zu zerreißen und woanders anzuheuern. Doch dann sah ich da den Vertrag auf dem Tisch liegen. Es war kein fein säuberlich ausgedrucktes Exemplar. Man hatte einfach manuels Namen herausgestrichen und mit dem Füllfederhalter an den entsprechenden Stellen meinen Namen eingefügt. Ich sah noch das Original dieses inzwischen nichtigen Vertrages zwischen Veria und manuel – mit dem einzigen Unterschied, dass man so kühn war, einfach meinen Namen hinzuzukritzeln. Ich weiß nicht mehr, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging, aber ich habe noch direkt vor Augen, wie ich den versammelten Herren der Reihe nach ins Gesicht sah, dann zum Tisch schritt und mit dem bereit liegenden Füllfederhalter meinen Namen unter die Sache setzte. Ich hatte den Vertrag nicht einmal durchgelesen! Unter den Vereinsfunktionären brach sofort Applaus aus, der Präsident kam zu mir und nahm mich in den Arm.“ Wieder schaut der Trainer auf, kontrolliert uns mit einem Blick, ob wir wissen, dass er diese Geschichte zum ersten Mal überhaupt erzählt. Zufrieden wendet er sich wieder ab. „Es ist schon erstaunlich, wie wenig man in diesem Moment darüber nachdenkt.“ Wieder grinst er. Wir sollen Fragen stellen, fällt ihm ein, er habe doch jetzt so lange geredet. Wir wollen, dass er die Geschichte dieser Spielzeit weitererzählt. „Zu dem Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung war die Saison schon ein paar Spieltage alt, man konnte jede Mannschaft also schon so ein kleines bisschen einschätzen, man wusste ungefähr, wer was reißen würde und wer nicht. Als neuer Trainer hat man es immer schwer, aber bei Veria – das wusste ich – würde eine doppelte Last auf mich zukommen. Ich war nicht nur der neue Trainer, ich war natürlich gleichzeitig der Nachfolger Gerrik Darbens, dieses Jahrhunderttrainers. Ich habe dann erst einmal dem Training nur zugeschaut und Darbens alten Trainerstab die Übungen leiten lassen. Eine halbe Woche ging das so, die Jungs gingen trainieren als sei nichts geschehen und wussten natürlich sehr wohl, dass etwas geschehen war. In dieser halben Trainingswoche habe ich abends fieberhaft an meinen neuen Trainingsplänen gearbeitet, habe mir immer wieder Teile von Darbens altem Stab bestellt und mir Details zu den Spielern erzählen lassen. Wer war verletzungsanfällig, wer war belastbar, solche Sachen. Wir haben zusammen dann ein Programm ausgearbeitet, an den Abenden. Ich war sehr nervös, ob es klappen würde. Die Spieler waren zu einhundert Prozent an Gerrik Darben gewöhnt, er hatte sie ausgesucht, er hatte sie jahrelang trainiert und auf die Spiele vorbereitet. Und auf einmal war ich da und Darben weg. Nun ja, ich habe dann gemerkt, dass ich ein gewisses Risiko übernehmen muss und habe dann in der zweiten Wochenhälfte die Trainingseinheiten selbst geleitet. Aber es waren noch immer nicht die neuen Einheiten von meinem Plan, sondern Gerrik Darbens Schule. Ich habe die Jungs dann auf das Spiel eingestellt und angekündigt, dass in der folgenden Woche ein neues Trainingsprogramm gestartet werden würde. Wie meine ersten beiden Spiele ausgingen weiß ich heute gar nicht mehr, ich war damals sehr fokussiert darauf, dass mein Trainingsplan stimmte. Was waren da schon zwei verkorkste Spiele im Vergleich zu einer verkorksten Saison? In der nächsten Woche habe ich dann das Training umgestellt, habe die technischen Übungen sanft zurückgefahren und mehr auf die Physis der Spieler geachtet. Wir machten Waldläufe, ich schickte den ganzen Defensivblock gemeinsam in den Kraftraum, während ich mit den Offensiven Sprints trainierte. Meine Strategie war es, dass wir noch einmal eine Schippe drauf legen können, wenn alle anderen Mannschaften schon längst über ihre Leistungsgrenze hinaus waren. Dass es dabei in den ersten Spielen schlimm ausgehen würde, war mir bewusst, die Spieler mussten erst einmal das härtere Training verkraften. Nach einer Zeit war das geschehen und wir starteten in der Liga die Aufholjagd auf die vorderen Plätze. Die ganze Zeit schon hatten wir uns im Mittelmaß bewegt, nie wirklich abstiegsgefährdet, dafür war die Mannschaft zu gut, aber eben auch nie oben mit dabei. Aber das großartige an der Sache war: Die Spieler und ich, wir merkten, dass das Training Wirkung zeigte. Wir konnten manche Gegner schlicht und einfach in den Boden rennen, entwickelten nach einigen Spielen eine ungeheuer schnelle Offensive und einen robust stehenden Verteidigungsblock. Wir waren gefährlich! Das Größte war es, als sich die Saison dem Ende zuneigte. Es gab nicht die üblichen Serien von Ausfällen, die Jungs waren alle auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte. In den letzten Wochen krochen andere schon auf dem Zahnfleisch, wir hingegen konnten noch einmal Alles geben! Vor dem letzten drei Spieltagen hängte unser Kapitän in der Kabine dann eine Tabelle auf. Wir waren auf dem zehnten Platz, aber wir wussten, dass wir noch den ein oder anderen Platz nach oben rutschen konnten. Wir haben uns vor den drei entscheidenden Spielen geschworen: Alles geben, jeder! Und es war dann wie ein Rausch. Wir spielten Tempofußball, dem die Gegner nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Wir rannten, wir kämpften, wir grätschten, wir bissen, wir fraßen Gras. Und wir schossen Tore und arbeiteten uns immer näher an die Spitze heran. Der UI-Cup war unser Minimum, der UEFA-Cup war unser Ziel. Und plötzlich spielten die ganzen anderen Klubs für uns, wir gewannen, die anderen ließen nach. Und auf einmal kam dann mein Co-Trainer zu mir und zeigte mir eine Blitztabelle, auf der wir Meister waren. Ich wollte es ihm zuerst gar nicht glauben, schließlich waren wir kurz zuvor noch auf einem zweistelligen Tabellenplatz gewesen. Ich gab Anweisung, das überprüfen zu lassen. Währenddessen ging das Spiel natürlich weiter, ein Angriff nach dem anderen rollte auf das gegnerische Tor.“ Wieder blickt Alletsee auf, wischt sich mit der Hand über die Lippen, nippt am Tee, völlig versunken in seiner Erzählung. „Irgendwann kam dann mein Co-Trainer wieder, er hatte die Blitztabelle überprüfen lassen, sie war korrekt. In dem Moment verschwamm das Spiel vor meinen Augen. Im Moment waren wir Meister! Er musste mich kurz ohrfeigen, damit ich wieder der Partie folgen konnte. Von da an stand ich nur noch an der Seitenlinie. Ich glaube, ich habe nicht viel reingerufen, sondern habe mich eben nur hingestellt und zugesehen. Als der Abpfiff nahte, verschwand wieder einer in den Katakomben. Natürlich hatten inzwischen die Zuschauer Wind von der Sache bekommen, auch die Spieler wussten bescheid. Ich wundere mich noch heute, wie sie einfach weitergemacht, nicht nachgelassen, sich weiter konzentriert haben. Irgendwann pfiff der Schiedsrichter ab und wir erhielten Meldung aus den Katakomben: Alles war so geblieben wie bisher, die letzte Blitztabelle war korrekt.“ Er ist fertig mit seiner Erzählung, blickt uns an, grinst breit. Dann hebt er noch einmal an: „Wir hatten nie damit gerechnet, hatten nicht einmal Champagner bereitgestellt. Die spontane Feier am Abend war aber trotzdem heftig…“ In den folgenden Jahren habe man die ersten Erfolge aber nicht wiederholen können, sei aus der Champions League früh ausgeschieden und auch in Griechenland nach und nach abgebaut, bis es irgendwann hieß: Abstiegskampf.

Alletsee, das One-Hit-Wonder? In Finnland hatte er am Anfang seiner Trainerlaufbahn um die Meisterschaft mitgespielt, dann der Wechsel nach Algerien, wo eine schwere Krise der FIFA und der folgende Saison-Abbruch seinen ersten Meistertitel (mit Entente Sportiv de Sétif) verhinderten. Dann der Wechsel nach Griechenland, wo er den ewigen Abstiegskandidaten in den UI-Cup führte und im Folgenden wieder nachließ. Schließlich Veria, wieder ein großes Debüt und langfristig doch nur mittelmäßige Ergebnisse, einmal abgesehen von seiner letzten Saison, wo der Klub lange Zeit für einen internationalen Pokalwettbewerb qualifiziert war und schließlich auf dem zweiten Tabellenplatz landete. Ob er selbst an dieses Feuerwehrmann-Image glaubt? „Die Fakten sprechen dafür, aber ich glaube es nicht. Meistens waren diese ersten Erfolge auch im Folgenden ein großes Hindernis: Die Gegner waren besonders motiviert, diese aufstrebende Mannschaft zu besiegen. Und nicht zuletzt standen die Spieler auch unter einem nicht zu unterschätzenden Druck, diesen ersten hoffnungsvollen Ergebnissen weitere folgen zu lassen. Um das abzuschließen gab es dann auch noch die, die sich auf ihrem Erfolg ausgeruht haben. Frei nach dem Motto: Der Trainer sorgt schon dafür, dass das Ergebnis stimmt.“ Ob er glaubt, dass das bei seinem neuen Verein anders wird? „Ich hoffe es. Lieber mit durchschnittlicheren Resultaten anfangen und sich dann langsam steigern.“

Tee wird nachgeschenkt, die Themen wechseln, das Gespräch kommt auf Powerkraut, seinen Nachfolger in Veria. Momentan ist dieser noch nicht bei der Mannschaft, sondern weilt noch bei seinem alten Klub, um dort als Abschluss ein Turnier in der Sommerpause zu bestreiten. Powerkraut war der dienstälteste Trainer in Bulgarien, einer Liga, deren berühmte Trainer nach und nach ins Ausland abwanderten. Sie folgten dem Ruf des Geldes, dem Ruf großer Vereine, dem Ruf der traditionsbewussten europäischen Klubs, die auf die Strategen aus Osteuropa aufmerksam geworden waren. Powerkraut blieb, er glaubte an eine Renaissance der Liga. Doch die Situation wurde immer prekärer, neue Trainer kamen und gingen, die Fluktuation war hoch, manche Stellen blieben unbesetzt. Eine Liga, die eine ganze Reihe gut geschulter Fußballlehrer hervorbrache, blutete aus. Zuletzt konnte er selbst nicht mehr zusehen, sondierte Angebote aus dem Ausland. Zu diesem Zeitpunkt hatte Alletsee beschlossen, sich auf die Suche nach einem Nachfolger bei AO Veria zu machen. „Ich habe mich umgesehen und eine ganze Reihe von Kollegen kontaktiert, größtenteils alte Haudegen. Albert Einstein war darunter, Florian Markert auch. Die meisten waren interessiert, waren aber mit ihrer derzeitigen Situation zufrieden. Dann habe ich einen Tipp aus Portugal erhalten, dass Powerkraut von Rodopa Smolian zunehmend unzufrieden sein soll. Ich habe mich ein wenig schlau gemacht und bin in der folgenden Woche nach Bulgarien geflogen, um mir eine Trainingseinheit von Smolian anzusehen. Es war mitten im Winter und der Wind fegte über das Trainingsgelände. Eine halbe Stunde hat es gedauert, bis mir klar wurde, dass da unten auf dem Rasen der neue Trainer der Rossoblu stand. Nach den Spielen vom Wochenende habe ich ihn angerufen. Wir haben uns lange unterhalten über die derzeitige Situation und gegen Ende habe ich ihm gesagt, dass ich ihn gerne auf der Trainerbank von Veria sehen würde und er sich melden solle, wenn er Interesse habe. Einige Tage später war er wieder am Telefon und wir haben die Details festgemacht.“ Powerkraut war der definitiv erfolgreichste Vertreter der bulgarischen Trainergeneration, ein echter Erfolgscoach. Vier Mal in Folge war der Klub unter ihm Meister, die einzigen nationalen Erfolge von Smolian. Gleichzeitig wurde der Verein damit der bulgarische Rekordmeister. Vier Titel in Folge wird er wohl in Griechenland nicht wiederholen können, doch die Erwartungen sind groß. Auch Max Alletsee hält große Stücke auf seinen Nachfolger: „Ich hätte nie gedacht, dass man vier Titel in Serie erringen kann, aber Powerkraut ist der Gegenbeweis. Ich erhoffe mir viel, vielleicht einen zweiten Gerrik Darben.“

Langsam senkt sich die Sonne gen Horizont, wir verabschieden uns herzlich. Der Motor unseres Bootes heult auf, als er sich durch die Wellen kämpft, zurück Richtung Festland. Wir denken zurück an das Gespräch, an die Stunden an Deck und es bleibt – ein Eindruck, eine Impression.

-Max

DUS!

In der australischen Kolumne, der famosen Down Under Sports, wird mal wieder der Blog erwähnt. Und wer nicht genug von Wappen kriegen kann: Lobanowski hat sich mit den australischen Wappen beschäftigt.

Sehr genial und definitiv humorvoller als der Blog! Jaja, diese australische Lockerheit geht mir manchmal noch ein bisschen ab…

-Max

WIR SEHEN ALLES!

Folgender Absatz stand in der grandiosen Down-Under-Sports, der australischen Copa-Kolumne. Vielen Dank für die Würdigung, ihr Schleimer!

Copa-Blog
Es gibt sporadische Copaspieler, es gibt Copaspieler, es gibt engagierte Copaspieler, und es gibt Copajunkies. Das sind Leute wie Z.B.: unsere Kollegen Vinnie Jones mit über 5000 Forumsbeiträgen oder ’ich spamme jede Nacht alle Threads zu’ – Batigol. Und dann gibt’s noch die ganz Bekloppten, denen ein ZAT pro Woche samt Zeitung, Quiz und Forum zuwenig sind. Die schreiben dann noch einen Copa-Blog. Wie krass muss man eigentlich drauf sein, um so seine Zeit zu verbringen? Natürlich so krass, dass wir nur noch respektvoll und vor Begeisterung unseren Hut ziehen können! Schaut mal rein bei Max’ und Konsorten Copablog- es lohnt sich!.Na gut, bis auf eine Sache. Wir wären ja kein investigativ- zeitgeistkritisches Magazin, wenn wir nicht doch was zu meckern hätten: Kürzlich erschien ein sehr lesenswerter Artikel von Nigga Kane zum Thema ‚Was Copa für mich bedeutet.’ Vieles davon können wir sofort unterschreiben, doch wurde dort u.a. auch die These aufgeworfen, ‚Eine Kolumne, ist der Entertainer einer Liga. Aber keine Null wie Kerner, Raab-Konsorten. Vielmehr könnte man sie mit Menschen, wie Gottschalk oder Harald Schmidt vergleichen.. Schön und gut- doch, mal abgesehen von der Kommasetzung ;-), mit Thomas Gottschalk verglichen zu werden, das ist dann doch die Mühen einer Kolumne nicht wert. Davon möchten wir uns ausdrücklich distanzieren! Thomas Gottschalk…… na, wir sagen lieber nichts dazu.

-Max

Nachtrag zur Zeitungslandschaft

Mir hat Graf Zahl aus dem Forum heute eine PN geschickt. Ich hätte vergessen, auf einen weiteren Typus einzugehen, den er vor allem aus Finnland kennt. Ich kopier jetzt einfach mal schamlos aus seiner PN:

Du hast übrigens noch eine Abart der Zeitungsstile vergessen. Das Kopieren und Imitieren einzelner berühmter, bedeutender Stücke, Gedichte und Theorien. Das Abwandeln eines berühmten Textes um ihn tauglich und passend für eine Liga bzw. einen Konkurrenten zu machen. Meist wird der Protagonist auf ironische Art verhöhnt und wird wieder zurechtgewiesen. Richte mal deinen Blick auf Finnland, da siehst du dann, was ich meine. Vom Herr der Ringe über den Erlkönig bis zum kommunistischen Manifest ist bei uns Alles vertreten…

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht noch, dass das kommunistische Manifest spontan in „Das Jalkapalloklubi-Manifest“ umgetauft wurde. Artikel zum Herrn der Ringe oder zum Erlkönig hab ich auf die Schnelle nicht gefunden, ich glaub’s dem Grafen einfach mal. Vielleicht schreibt er ja einfach nen Kommentar, wo man diese genau findet, die würden mich nämlich auch mal reizen.

-Max

Die Zeitungslandschaft

Ich hatte neulich hier im Blog ja schon das Kolumnenthema aufgemacht und gestern abend kam mir der Einfall, dass es doch nur konsequent wäre, jetzt auch noch Copas restliche Zeitungslandschaft auszuloten.

Wenn man sich einmal ansieht, wie viel Inhalt für Copas Zeitungen im Laufe einer Woche produziert wird, dann wird man feststellen, dass die Menge durchaus beachtlich ist. Und wenn man sich den Inhalt besieht, dann wird man feststellen, dass dieser teilweise erbärmlich ist.

Ich habe versucht, die verschiedenen Arten von Zeitungsartikeln bei Copa in Kategorien einzusortieren. Hier sind sie:

Der Ergebnisbericht
Dürfte wohl jeder zur Genüge kennen. Mäßig interessant, da sich oft wiederholend. Gerne auch Verwendung von Phrasen.

Der Lagebericht
Eine ebenfalls oft verwendete Form, eine Abart des Ergebnisberichts. Immerhin beschränkt sich der Autor nicht auf den aktuellen Spieltag, sondern weiß seinen Verein und dessen Chancen einzuordnen. Tritt allerdings auch so oft auf, dass es meistens langweilt. Häufig wird versucht, diesen Artikeln durch Statements der Trainer oder anderer Verantwortlicher des Vereins einen persönlichen Anstrich und damit eine gewisse Würze zu geben.

Die Pressekonferenz
Ein Verantwortlicher des Vereins – meistens der Trainer oder der Präsident, seltener auch der Mannschaftskapitän – spricht zur virtuellen Presse, der Wortlaut wird wiedergegeben. Hier ist die Qualität stark schwankend; von der klassischen „Wir haben schon viel erreicht, müssen aber weiterkämpfen, um die erreichten Erfolge nicht zu verspielen“-Pressekonferenz bis hin zu kleinen Kunstwerken wie denen von Speedy Gonzales ist hier viel möglich. Entscheidend ist hier meistens die Originalität der Situation: Verfällt der (virtuelle) Trainer in Phrasen und nichtssagenden Wiederholungen, so endet der Artikel meist in gähnender Langeweile und Eintönigkeit. Je mehr man versucht, dem Sprechenden (übirgens auch den Reportern…) einen eigenen Charakter zu verleihen und diesen Charakter auch wirklich im Laufe der Zeit zu kultivieren, desto interessanter und spannender sind in der Regel die Resultate.

Der Blick auf die Konkurrenz
Seltener sieht man, dass sich ein Zeitungsartikel gar nicht mit dem eigenen Verein beschäftigt, sondern mit den Resultaten und Zukunftsaussichten der Liga-Konkurrenten. Manchmal wird versucht, durch eine dezent gehässige Note und kleinen Sticheleien diese Artikel aufzuwerten, damit sie nicht wie ein Pendant des Ergebnis- oder Lageberichts wirken.

Die Anekdote
Meistens eine kleine launige Erzählung aus dem Vereinsleben bzw. Leben des Trainers. Oft unterhaltsam zu lesen. Wichtig jedoch: Eine gute Idee! Deswegen leider nicht so häufig anzutreffen.

Die groß angelegte Zeitungsgeschichte
Sie tauchen selten auf, sind dafür aber umso interessanter: Die groß angelegten Zeitungsskandale oder andere abenteuerliche Geschichten. Es wird ein Aufhänger vorgegeben und andere Trainer antworten mit ihren Artikeln auf diese Vorgabe und spinnen so im Verlauf der Wochen die Geschichte weiter. Ähneln oft einem „Tim und Struppi für Erwachsene“. Beispiele sind die „Suche nach der Schnapsinsel“ oder „Die Kutscher-Story“.

Die theoretische Diskussion
Sehr selten in der Zeitung zu sehen. Der Autor reißt die Illusion einer virtuellen Fußballwelt ein und berichtet als Copa-Spieler, nicht als Trainer. Ein Beispiel hierfür aus der jüngsten Vergangenheit ist der Artikel von Bernd W., der sich mit den Setzweisen für Heimspiele befasst. Normalerweise kein klassischerZeitungsartikel, da die meisten Autoren Angst haben, zu viel von ihrer persönlichen Taktik auszuplaudern.

Die Reportage
Ein Artikel, wie er auch in einer Zeitschrift publiziert werden könnte. Eher lang und aufwendig zu schreiben, deswegen praktisch nie zu finden. Vermittelt normalerweise aber ein gutes Bild der Atmosphäre. Ich arbeite gerade an einer solchen Reportage, die mit der Übernahme eines neuen Vereins das Licht der Öffentlichkeit erblicken soll. Ansonsten sind mir hier keine weiteren Beispiele eingefallen. Habe ich was übersehen?

Der GKK

Ich hatte ja bereits vor einigen Tagen angekündigt, einen Artikel zum GKK, dem Griechischen Kolumnisten-Kreis, schreiben zu wollen. In der letzten Zeit hatte ich erneut begonnen, mich vermehrt für Kolumnen zu interessieren und wollte diese auch hier im Copa-Blog besprechen. Dabei bot es sich an, auch auf den GKK Bezug zu nehmen, schließlich hatte ich diesen ja mitgestaltet und dafür auch zwei Copa-Awards als beste Kolumne gewonnen (natürlich im Doppelpack mit PJ Robert).

Ich hatte mich für diesen Artikel ein wenig in die Archive des GKK hineingewühlt. PJ und ich hatten unsere Kolumnen auch lokal auf der Festplatte gespeichert und so entstand im Laufe der Zeit ein ziemlich vollständiges Archiv unserer Veröffentlichungen. Ob es vollständig ist, kann ich nicht sagen – mit der Zeit verliert man schier den Überblick, ob die eine oder andere Kolumne fehlt.

Bei den Recherchen bin ich natürlich auch auf die allererste GKK-Kolumne gestoßen, die ich selbst geschrieben hatte. Hier wird die Gründung des GKK verdeutlicht: Gerrik Darben war zuvor Kolumnist in Griechenland gewesen, hatte sein Amt jedoch aus Zeitgründen aufgegeben. Es bestand der einstimmige Wunsch nach einem Nachfolgeprojekt, doch niemand sah sich in der Lage, dies alleine auszufüllen. Also suchte man im Forum nach einer Lösung und es kristallisierte sich relativ bald heraus, dass ein Kolumnistenkreis (ganz nach dem Vorbild des Kickers) die wohl beste Lösung wäre. Nur war da immer noch ein Problem: Es konnte immer nur einer Kolumnist sein, diese Sperre war durch die Copa-Software gegeben. Damit war die Idee des Kolumnistenkreises erst einmal auf Eis gelegt – die naheliegendste Lösung hatten wir schlicht übersehen. Erst einige Wochen später machte uns Verrückter Engel (vielleicht dem ein oder anderen Veteranen hier noch bekannt) darauf aufmerksam, dass man auch in Australien einen Kolumnistenkreis betreiben würde und das Problem der vielen Autoren einfach so löste, dass einer der Schreiber pro forma als Kolumnist eingetragen war und die anderen Autoren diesem ihre fertigen Beiträge schickten, sodass der pro-forma-Kolumnist sie nur noch veröffentlichen musste.

Ich hatte es bereits erwähnt, auch PJ Robert (in Griechenland bekannt unter dem Pseudonym Kent Karlsson) war eine Hälfte des GKK. Er hatte sich sofort auf meine Anfrage nach Interessenten für die Bildung eines Kolumnistenkreises gemeldet und mangels weiterer Freiwilliger begannen wir eben zu zweit und blieben während unserer ganzen Kolumnistenzeit ein Duo, das sich immer besser kennen lernte. Es war wirklich toll, mit PJ zusammenarbeiten zu dürfen, er ist ein großartiger Kerl, er schrieb wundervolle Kolumnen (darum habe ich ihn stets ein bisschen beneidet, ich mochte seine Beiträge einfach mehr als meine eigenen) und er ging immer unheimlich konzentriert und konsequent zur Sache – meistens hatte ich schon Freitag abend oder Samstag morgen seine fertige Kolumne vorliegen, während ich mich für gewöhnlich am Samstag nachmittag abmühte.

Vielleicht sollte ich einmal beschreiben, wie meine Arbeit an der Kolumne aussah. PJ und ich hielten es immer so, dass einer von uns beiden immer für die komplette Kolumne eines Spieltags zuständig war. Was man selbst schreiben wollte, war völlig egal, einige Themen boten sich natürlich an. So war die griechische erste Liga ein fester Bestandtei, ab und zu gönnten wir uns auch einen Blick in die Beta Ethniki, die zweite Liga. Das war vor allem zur Winterpause sehr beliebt, dann konnte man dort schon die ersten Trends festmachen, wer Chancen auf den Aufstieg hat. Die griechischen Vereine in den internationalen Pokalwettbewerben waren natürlich immer ein Thema, ebenso die Trainerwechsel in Griechenland (davon blieben wir glücklicherweise lange Zeit verschont, aber vor allem gegen Ende setzte eine deutlich höhere Fluktuation ein). Außerdem wurden natürlich immer wieder Statistiken bemüht, angefangen von den Oddset-Quoten bis hin zur Fux-Schaf-Statistik… Den bekannten griechischen Altstars wie beispielsweise MisterGenial wurde auch immer wieder Platz eingeräumt, so befasste sich etwa eine halbe Kolumne lang mit seinem Rücktritt, um schließlich in der Hoffnung zu gipfeln, dass der am Karfreitag zurückgetretene Trainer ja vielleicht schon am Ostersonntag zurückkehren könne… 😉 Ach ja, und natürlich ging man während der WM und der Qualifikation hierzu auch auf die Nationalmannschaft ein, aber das ist ja wohl selbstverständlich. Ein weiteres Element waren Interviews, die in unregelmäßigen Abständen mit den griechischen Trainern geführt wurden. So führte man unter anderem ein Gespräch mit dem frischgebackenen Newcomer der Saison, einem gewissen Chris, der soeben mit Proodeftiki Nikea aufgestiegen war und heute wohl jedem regelmäßigen Forums-Gast bekannt sein dürfte. Gewissermaßen ein Stück Copa-Zeitgeschichte ( 😉 ), wenn Chris davon plaudert, dass er sich in Nikea pudelwohl fühlt und im Zweifelsfall seinen Zweitverein Juan Aurich in Peru von der Bettkante stoßen würde.

Eine gewisse bayrische Mia-san-mia-Mentalität lässt sich aber definitiv in der Kolumne festmachen. Die Alpha Ethniki wird vor allem zu Beginn als die großartigste Liga der Welt gerühmt, über den finnischen FC Lahti, der im UEFA Cup gegen einen griechischen Klub antreten musste, pflegte man schon einmal zu urteilen, der Verein habe kaum mehr Anhänger als eine Straßenbahn. Ganz klar, man rühmte die eigene Liga. Manchmal schien man zu glauben: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Ich habe gerade noch ein kleines Beispiel dazu gefunden, einem „Test“ für angehende Griechenland-Trainer. Er ist etwas länger, ihr findet ihn deswegen am Ende dieses Artikels.

Dieser Test war eines jener „Schmankerl“, für das der GKK berühmt war. PJ und ich ließen uns immer wieder was einfallen, um die Leser zu unterhalten. Dazu zählten die Einsätze unseres gemeinsam gepflegten Reporters Georgios Grammatikakis, der hin und wieder einmal investigativ nachfragen durfte. Ich kann mich nicht einmal mehr an alle Aktionen erinnern, weiß nur noch, dass es eigentlich immer gut ankam.

Einer der für mich persönlich wichtigsten Punkte war aber, dass der GKK in einigen Punkten eine Vorreiterrolle für die Kolumnenlandschaft Copas gespielt hat. Wir hatten schon wirklich früh damit begonnen, unsere Kolumnen mittels HTML zu formatieren, was damals wirklich ein Novum war. Viele andere Blätter taten es uns nach und heute findet man es in so gut wie jeder Kolumne. Eine weitere Innovation und Neuheit war die Einführung eines Kolumnen-Logos. PJ und ich gestalteten es gemeinsam, wobei die letztendlich verwendete Fassung von PJ kam. Wir hatten uns schon bald auf das Motiv der Eule geeinigt und nach einigem Suchen und Basteln hatten wir ein tolles Logo – und waren stolz wie Oskar, es in unserer Kolumne spazieren tragen zu können.

Zum Abschluss will ich auch noch einmal über das Ende des GKK sprechen. Dazu muss man wissen, dass PJ und ich durchaus mehrere Stunden an unseren Texten arbeiteten. Zusätzlich hatten wir natürlich noch ein „normales“ Leben, gingen zur Schule (ich) bzw. studierten (PJ). Da jedes Wochenende ein paar Stunden Zeit locker zu machen, kostet erstaunlich viel Energie und – so war es zumindest bei mir – nach einigen Saisons fühlt man sich tatsächlich ein bisschen ausgebrannt und leer. Man hat nicht mehr wirklich Lust darauf, die Kolumne weiter zu betreibe, tut es aber dennoch, um den anderen nicht im Stich zu lassen. Wir hatten uns auch einmal über das Aufhören unterhalten und irgendwann war es dann kurz nach einer Copa-Winterpause so weit, dass wir beide daran dachten, das Projekt zu beenden. Wir wollten noch bis zum Saisonende weiterschreiben und es dann mit einem großen Knall beenden. Wir waren noch einmal total motiviert, mit unserer letzten Kolumne etwas Besonderes abzuliefern und dies war auch tatsächlich die einzige Kolumne, die wir uns teilten (wir hatten natürlich vorher bereits über die Themen gesprochen, diese dann aufgeteilt und schon möglichst viel von hoher Qualität vorproduziert, um am entscheidenden Wochenende nur noch die wichtigsten Texte neu verfassen zu müssen, was der Qualität zugute kommen sollte). Es wurde eine lange, wirklich tolle Kolumne, mit der wir beide das Projekt GKK beendeten. Im Nachhinein war es wohl die richtige Entscheidung, wir haben aufgehört, bevor die Kolumnen nur noch ein Schatten der guten GKK-Zeiten waren.

Hier also zum Abschluss noch einmal der Test aus einer Kolumne. Man sollte als neutraler Leser vielleicht noch wissen, dass es zwischen Griechenland und Schottland immer wieder eine herzliche Rivalität gab. Dann versteht man auch den Witz bei den Bewertungen… Ach ja, wenn ihr noch Fragen habt, beantworte ich die natürlich gerne, stellt sie doch einfach in den Kommentaren. Und: Sorry, wenn der Artikel teilweise etwas selbstverliebt klingt. Wir waren aber auch gu… 🙂

Der Test! Bist du geeignet für die Alpha Ethniki?

Frage 1: Ein Verein in der Beta Ethniki wird frei. Wie reagierst du?
a) Ich frage im Forum, was die Beta Ethniki ist.
b) Ich erstelle einen Doppelaccount und übernehme den Verein.
c) Nach reiflicher Überlegung stelle ich fest, dass ich lieber mit meinem georgischen Verein international spielen will und nicht in der zweiten Liga versauern.
d) Ich verlasse meinen Verein und wechsele nach kurzem Zögern.
e) Ich habe mir den Verein per Transferliste geschnappt.

Frage 2: Du merkst, dass du Jahr für Jahr gegen den Abstieg kämpfst. Deine Reaktion?
a) Ich erstelle mir einen Doppelaccount in dieser Liga und werde in der folgenden Saison rein zufällig Meister.
b) Ich wechsele in eine schwächere Liga, weil ich erfolgreich sein will.
c) Ich verbreite in der Ligazeitung die These, dass es einen gegen mich gerichteten Betrugsversuch gibt und vermute den amtierenden Meister als Drahtzieher.
d) Ich halte durch und hoffe darauf, dass sich die Zeiten ändern.
e) Ich optimiere meine Gegneranalyse, überdenke meine Strategie und versuche, so viele Boni wie möglich zu ergattern.

Frage 3: Was ist deine Vorstellung von der perfekten Liga?
a) So leichte Gegner, dass ich jede Saison souverän den Meistertitel hole.
b) Eine möglichst ruhige Liga, schließlich will ich meinem Verein nicht zu viel Zeit widmen.
c) Die Liga ist egal, Hauptsache es gibt eine aktive Zeitung.
d) Viele bekannte Spieler und ein hoher Bekanntheitsgrad.
e) Die für mich perfekte Liga beginnt mit „A“ und endet mit „lpha Ethniki“.

Frage 4: In zwei Saisons ist wieder einmal Copa-WM. Für welche Nation entscheidest du dich?
a) Copa-WM? Nie gehört.
b) Argentinien, denn da habe ich die besten Chancen, dabei zu sein.
c) Südafrika, denn da gefällt mir die Zeitung am besten.
d) Neuseeland, denn da gab es letztes Mal nur Legionäre…
e) Griechenland, denn ich will mich der Herausforderung stellen, von allen gejagt zu sein.

Frage 5: Deine Zeitungsartikel sind für gewöhnlich…
a) … kopiert.
b) … gerade so lang, dass ich den maximalen Bonus bekomme.
c) … beleidigend.
d) … witzig.
e) … ausführlich und aufwändig.

Frage 6: Wie schätzt du dich selbst ein?
a) Ich bin einer der schlechtesten Mitspieler und nicht bestrebt, dies zu ändern.
b) Ich bin der beste Spieler überhaupt, nur weiß das keiner.
c) Ich konnte mein Potenzial bislang nicht ausschöpfen.
d) Ich bin nicht schlecht, von der Spitze aber noch entfernt.
e) Ich konnte zwar einige Titel gewinnen, mein Können sollen aber Andere einschätzen.

Die Auswertung
Für jede Antwort gibt es verschieden viele Punkte.
Für jedes
A gibt es keinen Punkt,
B gibt es einen Punkt,
C gibt es zwei Punkte,
D gibt es drei Punkte,
E gibt es vier Punkte.

0 – 6 Punkte:
Leider zeigst du bislang keine Begabung, die es rechtfertigen würde, dass sich die Alpha Ethniki um dich bemühen würde. Geh einfach nach Schottland…

7 – 18 Punkte:
Zwar schlummert in dir viel Talent, allerdings hast du es noch nicht geschafft, dieses zu vollständig zu wecken. Nimm den Umweg über ebenfalls erstklassige Ligen wie Uruguay oder Portugal und stoße in die Alpha Ethniki vor, wenn du dich reif genug fühlst.

19 – 24 Punkte:
Keine Frage, du gehörst einfach nach Griechenland! Sollte wieder einmal ein Verein frei werden, weißt du, was du zu tun hast.

– Max