Archiv der Kategorie: Tea Time!

Tea Time! #12

Dear readers,
die Saison neigt sich dem Ende entgegen und für mich ist es Zeit, über meine allererste England-Saison nachzudenken. Wer mich privat kennt, der weiß, dass ich den Fußball von der Insel sehr liebe. Die raue, rohe, unsaubere Komponente imponiert mir sehr, die Betonung von Kraft und Körperlichkeit, die physische Präsenz aller Spieler.
Deswegen war es für mich sehr spannend zu beobachten, wie es mir bei meiner Spielzeit in England bei Copa ergehen würde. Konnte man dieses Gefühl wirklich nachempfinden?
Nach sechs Ligaspielen übernahm ich das Zepter bei Stoke City. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, mein Klub kletterte langsam und beharrlich in der Tabelle. Ja, das England-Gefühl schien da zu sein, von Anfang an. Doch um die Winterpause herum folgte der Bruch, Stoke wanderte in der Tabelle wieder nach unten, ich versuchte die Ursachen zu finden und zu beheben, wollte unbedingt erfolgreich sein. Die Suche blieb erfolglos, aber irgendwann schlugen die Ergebnisse ohne mein Zutun wieder ins Positive um. Für mich nach wie vor ein Rätsel; aber jüngst ist das Team wieder auf Kurs gekommen.
Doch was ist mit dem Gefühl, war es jemals da, war es immer da? Eine sehr schwierige Sache. Mit den ersten Erfolgen meinte ich, ein Gespür für England und den örtlichen Fußball zu haben. Mit den ersten Niederlagen begann ich zu zweifeln. Zurück bleibt ein gemischter Eindruck, eine Mischung aus absolut richtigen Entscheidungen und dummen Fehlern.
Doch eines ist unzweifelhaft: Spaß macht mir England auf alle Fälle, Gefühl hin oder her.

Best regards!

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Tea Time! #11

Dear readers,
wir wissen ja alle, dass in der aktuell laufenden Saison nur noch zwei Spieltage zu absolvieren sind. Ich habe mich dazu entschlossen, mir einmal anzusehen, ob es die jeweiligen Spitzengruppe und der Tabellenkeller beider englischer Ligen geschafft haben, während der Saison mit konstanter Form zu spielen oder ob eventuell eine Formkrise oder aber einige gute Spiele gereicht haben, um dort anzukommen, wo sie sich derzeit befinden.
Leicester City, aktueller Tabellenführer der Premier League, bewegte sich in dieser Spielzeit einmal quer durch die Tabelle. Zwischenzeitlicher Tiefpunkt war ein sechzehnter Platz, die Verlaufsdarstellung der Tabellenposition von Leicester ist gekennzeichnet von zahlreichen Richtungswechseln. Vor allem im Mittelfeld der Liga bewegte sich der Klub um Trainer Emanuel Cannavaro. Erst seit etwa zehn Spielen kann Leicester einen konstanten Aufwärtstrend nachweisen, der eben bis an die Tabellenspitze führte.
Der Tabellenzweite FC Liverpool hingegen präsentierte sich konstanter. Von einigen Spieltagen am Anfang einmal abgesehen fanden sich die Reds eigentlich immer auf Plätzen, die zur Qualifikation für den internationalen Wettbewerb berechtigten, wieder, meist auf den allerersten Rängen.
Ähnlich geht es dem Dritten der Premier League, dem Fulham FC. Auch das Team um Les Barry bewegte sich größtenteils im ersten Drittel der Tabelle. Jedoch ist kein Auf- oder Abwärtstrend ausmachbar, vielmehr bewegte sich Fulham langfristig eher seitwärts als nach oben oder unten.
Beim derzeitigen Tabellen-Siebzehnten der Premier League, Cardiff City, ist die momentane Spielzeit geprägt von vielen Sprüngen. Auf eine Reihe von schlechten Spielen kamen stets immer wenige gute Partien, die Cardiffs Tabellensituation kurzfristig aufbesserten. Auf lange Sicht zeigt die Kurve jedoch nach unten und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Cardiff als Resultat dieser unsteten Form auf einem Abstiegsplatz wiederfindet.
Eindeutiger geht es hingegen bei Wigan Athletic zu, das derzeit einen Platz schlechter als Cardiff steht. Nach nur zehn Spielen war Wigan eindeutig im Tabellenkeller angekommen und konnte sich daraus auch nicht mehr befreien. Anfangs auf einem zweiten Platz, zuletzt Abstiegskandidat – auch so kann ein Saisonverlauf aussehen…
Dieser Verlauf ist auch den Wolverhampton Wanderers bekannt. Der Tabellenletzte der Premier League entwickelte sich quasi parallel zu Wigan Athletic, jedoch stets immer ein, zwei Plätze in der Tabelle schlechter. Für die Wanderers sieht es derzeit stark nach Abstieg aus.
Interessant sind auch die Saisonverläufe des Spitzentrios der First Championship. Nahezu deckungsgleich zeigen sich Tottenham Hotspur, FC Watford und die Bolton Wanderers und teilten die ersten drei Plätze de facto über weite Strecken der Saison unter sich auf.
Nahezu genauso sieht es unter umgekehrtem Vorzeichen am Ende der Tabelle der zweiten englischen Liga aus. Reading FC, die Milton Keynes Dons und Crewe Alexandra verabschiedeten sich relativ zügig gen Tabellenende und meldeten sich von dort auch nicht wieder. Ein Höhenflug mit anschließendem Absturz ist bei keinem der drei Vereine zu verzeichnen, vielmehr erwecken die drei Vereine eher den Eindruck, dass ihr Kader nicht zweitligatauglich sei.

Best regards!

Tea Time! #10

Dear readers,
für diese Woche habe ich mir vorgenommen, mich mit einem Vorfall zu befassen, der glücklich für die englische Premier League verlief. Im UEFA-Cup trafen in der Gruppe L die englischen Queens Park Rangers auf die Schweden von Halmstads BK, Roter Stern Belgrad und dem griechischen Klub AO Veria. Eigentlich wären die Rangers ausgeschieden – doch dann versagte das Regelwerk und auf einmal konnte man sich über ein englisches Weiterkommen freuen. Lesen Sie eine Geschichte von unglaublichen Zufällen und zornigen Trainern.

Die Gruppenspiele verliefen für Veria und die Queens Park Rangers weitgehend parallel. In ihrem ersten Heimspiel konnten beide einen klaren Sieg verbuchen, das erste Auswärtsspiel ging glasklar in die Hose. Im ersten direkten Aufeinandertreffen behielten die Rangers die Nase vorn, im Rückspiel gewann Veria. Das fünfte Gruppenspiel gewannen beide Klubs, im sechsten Spiel konnten beide keine Punkte sammeln. Nach insgesamt sechs Partien also eine Bilanz von drei Siegen und drei Niederlagen auf beiden Seiten. Ein Blick auf die Tordifferenz verrät: +2. Beide. Also ein genauerer Blick auf die erzielten Tore: 16:14 – und zwar bei beiden Vereinen. Nach dem Ende der Gruppenphase stehen also in Gruppe L AO Veria und die Queens Park Rangers punkt- und torgleich da. Wie geht es weiter? Ein Blick auf die Tabelle verrät: die Rangers kommen weiter, Veria ist ausgeschieden.

Für die Griechen ein Eklat! Trainer Powerkraut erhob Einspruch, er sah sich im Recht. Bei Punkt- und Torgleichheit zähle der direkte Vergleich, so der ehemalige bulgarische Rekordmeister. Und den habe AO Veria für sich entscheiden können, schließlich hatte man bei den beiden Begegnungen eine bessere Tordifferenz als die Rangers. Die Nordgriechen hatten nach einer 5:2-Niederlage gegen die Briten zuhause 4:0 gewonnen, also die 3 Tore Rückstand aus dem Hinspiel mit vier Toren im eigenen Stadion amortisiert. Der Verein pochte auf eine Änderung der Tabelle am grünen Tisch. Powerkraut ereiferte sich im Kreis der internationalen Trainergemeinschaft und erklärte, er spiele mit dem Gedanken, seinen Vertrag im Falle eines Ausscheidens fristlos zu kündigen und seine eigene Karriere auf der Stelle zu beenden. Nachdem der empörte Coach der Griechen wieder zur Besinnung gekommen war, stimmte die internationale Trainervereinigung seiner Auffassung der Geschichte zu. Die amtlichen Tabellen seien inkorrekt und müssten geändert werden.
Umgehend wurde ein entsprechender Antrag an die FIFA verschickt, doch die dortigen Mühlen schienen langsamer zu mahlen. Nach langer Bedenkzeit wurde der Antrag abgelehnt. Zwar sei die Tabelle falsch, aber die Queens Park Rangers hätten sich bereits mental und finanziell auf die neue Runde im UEFA-Cup eingestellt. Eine Entscheidung am grünen Tisch wurde damit abgelehnt.

Viele befürchteten, dass ein zweiter Wutausbruch von Powerkraut folgen beziehungsweise er seine Androhung, das sofortige Ende der Trainerkarriere, wahr machen würde. Der Griechenland-Trainer schien es jedoch gefasster als zuletzt aufzunehmen, sein Vertrag wurde nicht gekündigt – ein Segen für den Fußball! Dennoch: Das Weiterkommen der Queens Park Rangers bleibt mit einem Makel behaftet. Natürlich kann den Engländern kein Vorwurf gemacht werden, gegen sie wurden auch nie direkt Anschuldigungen erhoben. Aber trotzdem ist der Klub weiterhin im UEFA-Cup vertreten. Mit jeder weiteren Qualifizierung für die nächsten Runden wird man den Rangers nachsagen, sie seien eigentlich nur noch wegen eines Fehlers der FIFA da.

Best regards!

Tea Time! #9

Dear readers,
ich habe mir für diese Woche vorgenommen, in dieser Woche über etwas zu schreiben, was ich hier noch nie getan habe: den englischen Fußball in der Welt außerhalb von Copa.

In der vergangenen Woche gab es einen Tag, an dem Freunde des englischen Fußballs besonders hellhörig geworden sein müssten. Am Mittwoch, den 6. Februar, war der fünfzigste Jahrestag des Munich Air Disaster. An diesem Tag des Jahres 1958 kamen im Schneetreiben von München acht Spieler von Manchester United ums Leben – und ein Verein stand unter Schock.

Manchester spielte zu dieser Zeit einen sehr schnellen, offensiven Fußball – und die Mannschaft war so jung, dass auf ihr die Hoffnungen des englischen Fußballs ruhten. Die Busby Babes, wie man sie rief, beherrschten eine Vorform des heute modernen Spiels mit offensiven Außenverteidigern und einem starken Mittelfeld.
Das Team befand sich auf dem Rückflug auf einem Europapokalspiel gegen Roter Stern Belgrad. Nur 48 Stunden später mussten die Spieler zurück in Manchester sein, um in der Premier League gegen die Wolverhampton Wanderers antreten zu können. Der eng gesteckte Terminplan war sicherlich die Hauptursache, weshalb die Chartermaschine mit den Fußballern an Bord an diesem Tag überhaupt noch abheben wollte.
United hatte einen jungen, aber routinierten Piloten engagiert, den 36-jährigen James Thain, der obendrein auch noch Vorsitzender der britischen Pilotenvereinigung war – also ein qualifizierter Mann, von dem man durchaus erwarten konnte, dass er im Ernstfall die Kohlen aus dem Feuer holt, wenn es technische Probleme gibt.
Die Untersuchungskommission versuchte später, Thain als den Hauptschuldigen zu benennen und vertuschte dabei die Fehler, die es von der Flughafenseite gab. So war es nicht möglich, die Startbahn vom Schnee zu räumen. Schneehöhen von 2cm galten als akzeptabel und ein solcher Wert wurde auch auf der Rollbahn gemessen. Allerdings war die Schneedecke im letzten Drittel der Startbahn dicker und lag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über den erlaubten 2cm. Eigentlich hätte somit überhaupt keine Starterlaubnis erteilt werden dürfen.

Doch unabhängig von der Schuldfrage bleibt das Resultat gleich: An diesem Februartag vor fünfzig Jahren starben eine ganze Reihe talentierter englischer Fußballer und stürzten das Land in ein nationales Trauma.
Roger Byrne, Mannschaftskapitän, heute als einer der ersten englischen Außenverteidiger moderner und offensiver Prägung bekannt, fand ebenso den Tod wie Tommy Taylor, der Stoßstürmer mit der Quote von 128 Toren in 198 Spielen, Eddie Colman, der technisch beschlagene Mittelfeldspieler, Liam Wheelan, der als Halbstürmer vor allem durch Spielübersicht und präzises Passspiel glänzte und als einziger vor dem dritten Startversuch eine Todesahnung hatte („If this is the end, I’m prepared to go, I’m a good Catholic boy“ ist von ihm verbürgt), und Duncan Edwards, der in den Augen vieler Experten der beste englische Spieler überhaupt und trotz seines jungen Alters von nur 21 Jahren für seine äußerst spektakulären Tore bekannt war. All diese Fußballer fanden den Tod in München, obwohl man sich im Klinikum rechts der Isar mit unglaublichem Willen und Eifer um die Überlebenden gekümmert hatte (so kämpfte Edwards zwei Wochen mit dem Tod, verlor den Kampf aber schließlich).

Bobby Charlton, der als Verkörperung des Fairplay galt, überlebte das Unglück nur leicht verletzt, doch er konnte nicht verschmerzen, dass er viele seiner Freunde durch den Unfall verloren hatte. Er spielte weiter für Manchester, doch er alterte äußerlich rapide. Wie der ganze Verein schien er beseelt von der Vorstellung, durch sportliche Erfolge den Toten von München einen Sinn geben zu können. Bis zu dem Unfall herrschte die einhellige Meinung, mit den Busby Babes seien alle denkbaren Erfolge möglich. Nun mussten ihre Nachfolger in die Rolle der Ersatzhelden schlüpfen; man erwartete von ihnen, dass sie im Sinne der Babes spielten und genauso für den Verein brannten und kämpften – eine Erwartungshaltung, mit der vor allem die zugekauften Spieler von anderen Klubs ihre Probleme hatten. Als Manchester United 1968, also genau zehn Jahre nach dem Munich Air Disaster, den Europacup holen konnten, sagte George Best, der der Generation nach den Busby Babes entsprang, über seinen Mannschaftskollegen: „In diesem Augenblick wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass Bobby Charlton ein alter Mann ist.“ Der brachte nicht mehr die nötige Kraft auf, um an der Siegesfeier teilzunehmen. Zehn Jahre lang hatte er den Verlust seiner Freunde und Kameraden dadurch zu bewältigen versucht, indem er den Erfolgen, die er eigentlich mit ihnen hatte feiern wollen, nachjagte. Als er das nach zehn Jahren geschafft hatte, lag er einsam in seinem Hotelzimmer und weinte.

In stillem Gedenken.
Best regards!

Tea Time! #8

Dear readers,

Der Rückrundenauftakt ist natürlich allerorten Thema in der Zeitung im Allgemeinen und den Kolumnen im Speziellen. Dazu wird viel geschrieben – ich will es nur am Rande tun.

Für mich stellt sich nämlich die viel größere Frage: Wie viel ist ein Spitzenplatz wert? Die Antwort ist wie üblich abgedroschen: Alles und nichts.

In der Premier League: Nichts
Vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es in einer solchen großen Liga auch viele Spiele und damit viele potenzielle Punkte gibt, ist eine Führungsposition in der Premier League gerade rein gar nichts wert. Auch wenn das Führungstrio bestehend aus dem FC Liverpool, Coventry City und den Queens Park Rangers sich dort schon seit einiger Zeit festgesetzt hat: Die Verfolger, insbesondere die konditionsstarken Klubs wie Leicester, Fulham und Charlton Athletic, scharren mit den Hufen und lauern auf ihre Chance, um zum Sprung an die Tabellenspitze anzusetzen.
Sicher ist hier nichts und wenn das derzeitige Spitzentrio am Ende der Saison genau das gleiche ist wie im Moment, dann darf man mich gerne mit Schimpf und Schande aus dem „Gentlemen’s Club“ jagen.

In der First Championship: Alles
Acht Punkte Abstand zwischen dem dritten und dem vierten Platz, also der Grenze zwischen Aufstiegszone und zweiter Liga. Eine ordentliche Hürde, die da überwunden werden muss, wenn man zur aktuellen Spitzengruppe aufschließen will. Watford, die Bolton Wanderers und Tottenham Hotspurs haben ihre ausgezeichnete Position kontinuierlich ausgebaut und es ihren Verfolgern äußerst schwer gemacht.
Zwar stellt beispielsweise Walsall durch seine enormen Kraftreserven noch eine ordentliche Bedrohung dar, aber zunächst einmal können sich die ersten drei Vereine der Liga auf einem komfortablen Punktepolster ausruhen.
Hier gilt für mich: Wenn am Ende keiner dieser drei Klubs aufsteigt, dann haben meine analytischen Fähigkeiten vollends versagt. Die Entscheidung, was dann mit mir geschehen soll, übergebe ich dem wütenden Mob…

Best regards!

Tea Time! #7

Dear readers,

wie vielleicht der eine oder andere weiß, war ich lange Zeit gemeinsam mit Kent Karlsson Trainer in der Alpha Ethniki, der ersten griechischen Liga; er leitete Panathinaikos, ich anfangs Olympiakos Piräus und später AO Veria. Dabei war es stets er, der die Erfolge verbuchen konnte (drei Meisterschaften, ein Mal die Champions League), während ich mein Dasein eher im Mittelfeld der Tabelle fristete. Dennoch verband uns eine gemeinsame Geschichte, wir schrieben die griechischen Kolumnisten und gleichzeitig zu Beginn auch als „die jungen Wilden“ bekannt, die die traditionsreiche griechische Liga aufmischten. Gemeinsam beendeten wir irgendwann das Kolumnenprojekt und gleichzeitig – aber nicht abgesprochen – verließen wir Griechenland, um Platz für neue Gesichter zu machen und uns anderen Herausforderungen zu widmen.
Kürzlich konnte ich mich mit Kent unterhalten.

Frage: Hallo Kent, schön dich wiederzusehen! Nach der letzten Saison trennten sich ja unsere Wege, mich verschlug es in die zweite englische Liga, während du erstklassig bliebst und bei Benfica Lissabon angeheuert hast. Konntest du dich bereits in Portugal einleben?
Das ist wirklich nett, wieder mal mit dir zu plaudern. Ich hatte noch nicht allzuviel Zeit, mich in Portugal einzuleben. Ich musste mich vor allem darum kümmern, meine neue Mannschaft kennenzulernen und die jeweiligen Gegner zu studieren. Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass die Mentalität nicht viel anders ist als in Griechenland.
Was waren für dich anfangs die größte Veränderung?
Nun ja, es gab anfangs schon einige sprachliche Barrieren, aber das wird von Tag zu Tag besser. Ich fühle mich wirklich schon recht wohl.
Ich habe Gerüchte gehört, dass du auch mit dem Gedanken gespielt hast, in England einen Vertrag zu unterschreiben. Ist da was dran?
Ich mag den englischen Fussball sehr, und auch was das Traineraufgebot anbelangt, brauchen sich die englischen Ligen nicht zu verstecken. Insofern muss ich keinen Hehl daraus machen, dass mich der Sprung auf die Insel durchaus gereizt hätte. Es gab denn auch Angebote mehrerer englischer Vereine. Ich hätte nur noch zusagen müssen. Aber ich habe mich letztlich doch gegen England entschieden – jedenfalls für den Moment.
Was war der ausschlaggebende Punkt für Portugal?
Das Gesamtpaket war entscheidend. Auch die portugiesische Liga ist stark besetzt und Benfica ist ein Verein mit grossartiger Tradition. Das hat einfach gepasst. Es hat mich gereizt, diesen Verein wieder dorthin zu führen, wo er hingehört.
Was willst du mit Benfica noch erreichen – diese Saison und langfristig?
Im Moment zählt nur der Klassenerhalt. Nach den selstamen Trainingsmethoden meines Vorgängers – da waren Räucherstäbchen und Fruchtbarkeitstänze im Spiel – hatten wir einige Defizite aufzuholen, aber ich denke, wir sind auf gutem Weg. Längerfristig kann das Ziel nur lauten, Benfica in den internationalen Wettbewerb zu führen – vielleicht gibt es ja einmal ein Stelldichein mit einem Vertreter aus England. Ich weiss natürlich, dass die Fans von einem Titel träumen. Das halte ich auch nicht für unrealistisch, allerdings wird das nicht von heute auf morgen gehen.

Best regards!

Tea Time! #6

Dear readers,
Kurz vor dem Ende der Hinrunde sind traditionell die ersten Prognosen möglich. Es haben sich Trends gefunden, es sind Tendenzen erkennbar. Ich habe mir für diese Woche ausgedacht, einfach einmal zu offenbaren, was ich zur Situation in der Premier League und in der First Championship denke.

Die Premier League
Hier war vor allem die große Frage, wie sich die beiden neuen Trainer Kily Gonzales und Emanuel Cannavaro schlagen würden. Beide waren auch vorher schon bekannte Größen, doch wie schnell würden sie sich an den Fußball auf der Insel anpassen?
Der FC Liverpool, trainiert von Gonzales, befindet sich derzeit auf einem guten sechsten Platz in der Tabelle. Ich persönlich muss sagen, dass mich das überrascht hat, eigentlich hatte ich hier mit einigen Anlaufschwierigkeiten gerechnet.
Leicester City unter der Leitung von Cannavaro steht zwar auf einem deutlich schlechter scheinenden 13. Tabellenplatz, liegt aber nur einen Punkt hinter den Reds. Außerdem ist es hier gelungen, Verletzungen und Ausfälle größtenteils zu vermeiden, sodass Leicester im Laufe der Saison wohl den Druck erhöhen und mehr Punkte sammeln kann.
An der Spitze haben Coventry City und vor allem der FC Arsenal schon einen beträchtlichen Teil ihres Pulvers verschossen, ohne jedoch einen nennenswerten Vorsprung herauszuspielen. Es ist für mich sehr unwahrscheinlich, dass am Ende einer dieser beiden Vereine Meister werden wird.
Im Moment traue ich es in erster Linie Fulham und Aston Villa zu, am Ende den Titel zu holen. Für zweitligatauglich halte ich Wigan Athletic und Cardiff City. Auch Newcastle United scheint mir bedroht und trotz der guten Position in der Tabelle auch Arsenal, die in der Gefahr schweben, gegen Ende durchgereicht zu werden.

Die First Championship
Sind die Abstände zwischen den einzelnen Vereinen in der Premier League dieses Jahr eher gering, so muss man in der First Championship vom Gegenteil sprechen. Satte 35 Punkte liegen nach 19 Spielen zwischen dem Erst- und dem Letztplatzierten. Gleichzeitig hat es das Schlusslicht Reading FC geschafft, sich trotz der vielen Niederlagen in den Spielen zu verausgaben und besitzt damit minimale Chancen, am Ende der Spielzeit als Erstligist dazustehen. Ich bin so kühn und sage: Wenn Reading diese Saison aufsteigt, dann spende ich dem Trainer einen Hunderter!
Mit dem Aufstieg haben da schon eher die Bolton Wanderers, der FC Watford und die Tottenham Hotspurs, die sich übrigens zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der zweiten Liga wiederfinden, zu tun. Die drei Vereine spielten einen bezaubernden Offensivfußball (der jedoch auch manchmal sehr zu Lasten der Kondition der Spieler ausging) und konnten sich einen komfortablen Vorsprung herausarbeiten. Wer dieses Spitzen-Trio einholen will, der muss schon ordentlich punkten und mich würde es nicht wundern, wenn mindestens zwei dieser drei Klubs am Ende tatsächlich den Aufstieg verwirklichen. Ganz besonders zu gönnen wäre dies natürlich Watford und Bolton, die bislang als gestandene Zweitliga-Vereine galten und noch nie die Möglichkeit hatten, sich in der Premier League zu präsentieren. Eine mögliche Gefahr für dieses Spitzentrio könnten eventuell noch Norwich City, Crystal Palace und der Walsall FC darstellen, die allesamt eher zurückhaltend agierten und nun wohl eine umso explosivere und offensivere Rückrunde spielen werden.

Best regards!